Viel Freude bereitet die Ölraffinerie in Leuna ihrem Eigentümer, dem französischen Öl-Multi Elf Aquitaine, bisher nicht. Nicht nur, daß immer wiederkehrende Gerüchte über angebliche Schmiergeldzahlungen im Zusammenhang mit dem Bau den Ruf der Franzosen angekratzt haben. Gegen den erklärten Willen von Elf-Chef Philippe Jaffré bleiben sie nun auch noch auf dem teuren Investment (4,8 Milliarden Mark) sitzen. Ursprünglich hatten die Franzosen darauf beharrt, daß die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS), wie in einem Memorandum of Understanding 1994 vereinbart, ein Drittel an Leuna übernehme, sofern sie keinen anderen Käufer dafür fände. Nach dem hatte die BvS vergeblich gefahndet. Nun hat Elf, nach monatelangem erbittertem Streit, akzeptiert, daß die BvS - statt die Anteile selbst zu übernehmen - lediglich einen Schadenersatz von 240 Millionen Mark zahlt. Daß sich kein anderes Unternehmen an Leuna beteiligen will, obwohl die Raffinerie als modernste Europas gilt, läßt eigentlich nur einen Schluß zu: Das von Bundeskanzler Helmut Kohl und dem ehemaligen französischen Präsidenten François Mitterrand gepuschte politische Prestigeprojekt rechnet sich offenbar nicht - trotz Subventionen von mehr als einer Milliarde Mark.