Es war einmal eine Zeit, da wurde Saarbrücken jedes Jahr im Januar von Jungen Wilden heimgesucht, deren Ungestüm das "Filmfest Max Ophüls Preis" in einen Abenteuerurlaub verwandelte. Mit der 19. Ausgabe des Wettbewerbs für den deutschsprachigen Regie-Nachwuchs ist diese Ära endgültig vorbei. Die Jungfilmer von heute bedienen brav das Fernsehformat und erzählen Geschichten, in denen "schöne Menschen in schönen Altbauwohnungen unschöne Probleme wälzen" (Saarbrücker Zeitung): überall Beziehungsclinch, Familienbande, Psychokrisen. In "Mammamia" von Sandra Nettelbeck liefern sich Senta Berger und Christiane Paul ein quälend belangloses Dramolett zwischen Mutter und Tochter. Die gediegene ZDF-Auftragsproduktion wurde am vergangenen Sonntag gleich doppelt ausgezeichnet - mit dem Max-Ophüls-Preis und der neu geschaffenen Drehbuch-Prämie. Der einzige Abenteurer, Debütant Peter Lichtenfeld, ging leider leer aus. Dabei macht er sich mit "Zugvögel" auf eine seltsame Reise ans Ende Europas, nach Nordfinnland, zu einem Wettbewerb für Kursbuch-Experten. Ein Film, der in Zügen spielt, der merkwürdige Begegnungen und Entdeckungen aufzeichnet und in dem die Liebe eine befremdliche Angelegenheit ist. Joachim Krol als wortkarger Held wird dabei lernen, daß der schnellste Weg nicht immer der beste ist ... ein stiller Protest gegen die Eilfertigkeit der Konkurrenz. Zum Glück hat "Zugvögel" bereits einen Verleih. Hoffentlich bringt der den Mut auf, den Film auch ohne Ophüls-Prämie ins Kino zu bringen.