Daß Kerosin bei minus vierzig Grad einfrieren kann, der Start beim Erreichen einer bestimmten Geschwindigkeit selbst im Falle eines Triebwerkschadens zunächst fortgesetzt werden muß, eine Boeing-747 aus sechs Millionen Einzelteilen besteht oder daß bei automatischen Landungen im Cockpit höchste Anspannung herrscht ð wollte man all das eigentlich so detailliert vorgesetzt bekommen? Werden furchtsame Menschen, denen Flugzeuge ohnehin suspekt sind, nach der Lektüre von Jürgen Heermanns lehrreichem Buch Warum sie oben bleiben am Ende dankend auf dieses Beförderungsmittel verzichten?

Komplizierte Frage, denn andererseits: Gerade die von Flugangst gepeinigten Passagiere sind ja süchtig nach Erklärungen über all die ominösen Vorgänge um sie herum und daher geradezu versessen auf jede einigermaßen brauchbare Information, die sie bekommen können.

Umfassend, mit Sachverstand und vor allem für jedermann verständlich Auskunft zu geben über Mensch und Maschine, dies ist dem Verfasser perfekt gelungen.

Insbesondere die Tatsache, daß er nicht bloß ein technikbegeisterter Theoretiker ist, sondern als Bordingenieur auf der Boeing 747-200, dem Jumbo, arbeitet, dürfte auf den hochsensiblen Aviaphobiker eine äußerst beruhigende Wirkung ausüben. Denn obwohl Heermann gar nicht beabsichtigt hat, speziell für diese Leserschaft zu schreiben - sie wird zweifellos seine dankbarste sein.

Warum sie oben bleiben

Jürgen Heermann

Rasch und Röhring Verlag, Hamburg 1997