Ein politischer Kompromiß ist dann gelungen, wenn beide Seiten "Sieg" rufen.

Beleg dafür ist die Entscheidung von Frankreichs Premier Lionel Jospin, den umstrittenen schnellen Brüter Superphénix zu schließen. Die grüne Umweltministerin Dominique Voynet, die das Abschalten des achtzehn Milliarden teuren Pannenmeilers zur Bedingung für die Regierungsteilnahme ihrer Partei gemacht hatte, kann nun bei den Regionalwahlen im März auf einen symbolischen Triumph verweisen. Doch auch Finanz- und Industrieminister Dominique Strauss-Kahn, der in Jospins Linksallianz Frankreichs mächtige Atomlobby vertritt, steht nicht mit leeren Händen da. Denn parallel zum Abschalten des nuklearen Milliardengrabs soll der vor zwei Jahren vom Netz genommene Vorgängerreaktor Phénix wieder anspringen - angeblich als Versuchslabor zur Atommüllverbrennung.

Viele Experten halten diese Art der Abfallentsorgung jedoch für utopisch und mutmaßen bereits, Phénix solle letztlich nur die skeptische Bevölkerung von der Notwendigkeit überzeugen, den nuklearen Schrott endzulagern. Wer hinter dem Aus für Superphénix Frankreichs baldigen Abschied von der Atomenergie vermutet, irrt. Die 55 Reaktoren, die jenseits des Rheins rund 80 Prozent des Stroms liefern, werden zum Großteil bis weit ins nächste Jahrtausend laufen.