Herzogenaurach? Na klar, da kommen doch Adidas und Puma her. Die beiden Sportschuster haben das kleine Städtchen im Fränkischen weltberühmt gemacht.

Aber wer kennt INA?

Dabei gibt es gute Gründe, sich das dritte weltweit tätige Unternehmen des 20 000-Einwohner-Fleckens bei Nürnberg näher anzuschauen. Es schlägt seine beiden sportlichen Nachbarn in einer Disziplin nämlich um Längen - der Hersteller von Wälzlagern und Motorenteilen schafft Arbeitsplätze in Deutschland, und das nicht zu knapp. Allein in den vergangenen acht Monaten stellte das INA-Werk in Herzogenaurach mehr Leute ein, als die Puma-Zentrale überhaupt beschäftigt. Bundesweit legte die INA-Gruppe im vergangenen Jahr sogar gut tausend Jobs zu, genauso viele, wie das Adidas-Hauptquartier nebenan insgesamt bietet - eine herausragende Leistung in der Region, aber auch innerhalb der Metallbranche.

Ein wichtiger Grund für das Jobwunder: Woran Politiker, Arbeitgeber und Gewerkschaften bundesweit bislang kläglich scheiterten, das haben Geschäftsleitung, Betriebsrat und IG Metall für den Standort INA-Werk Herzogenaurach fertiggebracht - ein funktionierendes Bündnis für Arbeit.

"Wir wollten ein Zeichen setzen und endlich mal etwas gegen die Arbeitslosigkeit tun", sagt Siegfried Bergmann, der für die Geschäftsleitung den Pakt aushandelte. Nicht minder stolz auf diesen Effekt der Vereinbarung vom Juni 1997 sind seine Vertragspartner von der Arbeitnehmerseite. Aber "der Preis war hoch", schränkt Wolfgang Niclas, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in der Kreisstadt Erlangen, ein. Von Sonntagnacht 22.00 Uhr bis Samstagabend 22.00 Uhr können seither im Herzogenauracher Werk die Maschinen laufen. Nur "notgedrungen" habe man auf den einst so hart erkämpften freien Samstag verzichtet, betont Betriebsratschef Peter Sandmann.

Zum Glück für beide Seiten boomt das Geschäft. Mit der Produktion von Gürtelschnallen und Handwagen begannen die Brüder Georg und Wilhelm Schaeffler im Jahr 1946. Seitdem hat sich das Familienunternehmen, das nach dem Tod Georgs im Jahr 1996 seiner Frau Maria-Elisabeth und seinem Sohn Georg F. W. Schaeffler gehört, fast unbemerkt zu einem kleinen Multi entwickelt: Mehr als drei Milliarden Mark Umsatz erwirtschaften die 22 000 Mitarbeiter - gut die Hälfte davon in Deutschland - in 31 Werken weltweit (siehe Graphik).

Über Gewinne will der kaufmännische Leiter Bergmann zwar nicht sprechen, doch für ein deutsches Familienunternehmen heißt es schon etwas, wenn eine "gesunde Ertragslage" eingeräumt wird.