Zockt der Fiskus auch noch gemeinnützige Einrichtungen ab? Soziale und sportliche Organisationen sind empört, einige Kulturschaffende argwöhnen, der Staat lande einen perfiden Doppelschlag. Erst ziehe er sich aus der Finanzierung vieler Aufgaben zurück. Und wenn die Betroffenen dann Ersatz in Form von privaten Gebern fänden, halte der Fiskus frech die Hand auf und verlange die volle Körperschaftsteuer von bis zu 45 Prozent.

Das Bonner Finanzministerium (BMF) hält dagegen: Die Betroffenen, die heute das Ende der Kulturnation an die Wand malten, hätten am lautesten danach gerufen, Sponsorengelder steuerlich einheitlich zu behandeln.

Die Regeln haben Bund und Länder im Juli vergangenen Jahres formuliert: Spenden an gemeinnützige Organisationen sind beim Empfänger grundsätzlich steuerfrei. Hier erhält der edle Mäzen keine Gegenleistung. Anderes gilt beim Sponsoring. Hier streicht der Förderer sehr wohl einen wirtschaftlichen Vorteil ein, der nach dem Urteil der obersten Finanzrichter in "der Sicherung oder der Erhöhung seines unternehmerischen Ansehens" besteht. Der Geldgeber kann seine Zahlung deshalb als Betriebsausgabe geltend machen.

Allerdings muß der Empfänger sie unter Umständen versteuern, und zwar dann, wenn es sich um einen "wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb" handelt. Das ist für die Steuerexperten der Fall, wenn die gemeinnützige "Körperschaft an den Werbemaßnahmen mitwirkt". Verblüffenderweise begrüßt Rechtsanwalt Martin Mitschke vom Fachverband für Sponsoring die Neuregelung, die von manchen so heftig angegriffen wird: "Der Erlaß hätte eigentlich einen kleinen Applaus verdient, weil er Klarheit geschaffen hat." Das allerdings nur bedingt - denn was heißt "an Werbemaßnahmen mitwirken"? Ein Sprecher von Bundesfinanzminister Theo Waigel versucht, eine scharfe Trennungslinie zu ziehen: "Wenn die gemeinnützige Körperschaft nicht mit dem Sponsoren wirbt und der nur selber darauf hinweist, gilt das als steuerfreie Vermögensverwaltung."

Aber auch mit dieser Definition sind noch längst nicht alle Zweifel ausgeräumt. Denn während einige Finanzämter es offenbar schon als Werbung ansehen, wenn der Name eines Sponsors bloß im Programmheft erwähnt wird, hält die Bundesregierung das für einen der Fälle, in denen keine Steuern erhoben werden dürften.

Damit ist man inmitten einer krausen und uferlosen Debatte. Ist der Sponsorname auf einem Plakat und einer Baseball-Kappe noch statthaft, auf einem T-Shirt aber schon steuerpflichtige Werbung? Über solche Fragen werden Anfang kommender Woche die Bund-Länder-Experten allen Ernstes diskutieren.

Wenn es nach den Ministerialbeamten geht, sind nicht etwa die hübschen Steuereinnahmen ihr Motiv - angeblich werden in Deutschland jährlich zwischen drei und sechs Milliarden Mark an Sponsorgeldern gezahlt. Die Behördenvertreter geben vor, es gehe ihnen allein um den fairen Wettbewerb.