Die UN-Sanktionen kosten den Irak etwa zwanzig Milliarden Dollar pro Jahr. Hätten die Inspektoren Zugang zu allen verdächtigen Orten, dann flösse das Geld wieder ins Land. Warum also läßt Saddam der Unscom nicht freie Hand?

Denkbar sind zwei Motive, beide sind verbrecherisch. Erstens: Die Sanktionen bescheren dem Regime einen Feind, gegen den es das Volk zusammenschmieden kann. Oder, zweitens: Saddam hat etwas zu verbergen - eben Massenvernichtungswaffen. Wer sie besitzt, hat Macht. Selbst angesichts der überlegenen USA.

Im Golfkrieg und danach wurde die Infrastruktur des irakischen Atomrüstungsprogramms gerade rechtzeitig zerstört. Was blieb, ist das Know-how der Experten. Sie sind fast alle namentlich bekannt - und vielleicht hecken sie schon wieder neue Waffen aus. Westliche Sicherheitsfachleute behaupten, die meisten irakischen Atomexperten seien ausreisewillig und würden praktisch gefangengehalten. Erst wenn sie das Land verließen, sei das irakische Atomprogramm mit Sicherheit auf lange Zeit beendet.

Kernwaffen zu produzieren bedeutet einen enormen Aufwand an Finanzen, Ingenieurwissen sowie chemischen und maschinenbaulichen Anlagen. Ein erneuter Anlauf dürfte der Weltöffentlichkeit kaum entgehen. Daher ist die andere Gefahr viel größer: Chemie- und Biowaffen. Immerhin hat Saddam solche Waffen schon einmal eingesetzt, nämlich gegen Kurden und Iraner.

Zum C-Waffen-Arsenal des Irak gehörten bis zum Golfkrieg sowohl Senfgas als auch die Nervengifte Tabun und Sarin. Es mangelte auch nicht an Trägermitteln wie Granaten, Raketen und Sprühpanzern. Nach dem Krieg gaben die Iraker außerdem zu, die Substanzen für die Produktion von 500 Tonnen des Nervengiftes VX zu besitzen etwa 10 Tonnen VX wurden später gefunden. In den folgenden Jahren behauptete Bagdad, die Produktion eingestellt zu haben - bis UN-Inspektoren 1995 doch noch 3,9 Tonnen VX aufstöberten.

VX ist das aggressivste Nervengas. Es gehört zu einer Gruppe von Giften, die in den fünfziger Jahren von amerikanischen Wissenschaftlern erfunden wurden, und tritt als geruchlose, nichtflüchtige Flüssigkeit auf. Die für den Menschen tödliche Dosis dürfte beim Bruchteil eines Milligramms liegen. Das Supergift gehört zu einer Familie von Chemikalien, die als Insektizide genutzt werden. Mit anderen Worten: Giftgasfabriken sind nicht leicht von Fabriken zur Herstellung von chemischen Pflanzenschutzmitteln zu unterscheiden.

Noch mühevoller ist es, die Produktion von Biowaffen nachzuweisen, denn diese lassen sich von kleinen Teams mit Hilfe von etwas Nährlösung, einem Fermenter und einer Zentrifuge literweise zusammenbrauen. Anstelle einer Fabrik genügt im Prinzip eine Garage. Die meistgefürchteten Biowaffen sind Milzbrandbakterien (Anthrax). Die tödliche Dosis für einen Menschen beträgt etwa 10 000 Bakterien, also weniger als ein Tröpfchen aus dem Parfümzerstäuber.