Die panische Angst des Mannes vor strafrechtlicher Verfolgung wegen sexueller Belästigung kann in den USA seltsame Blüten treiben. Daß der männliche Amerikaner aus dem Fahrstuhl spurtet, sollte er dort unerwartet auf eine einzelne Person weiblichen Geschlechts treffen, gehört zum bizarren Alltag.

Washington im Winter, "Loew's L'Enfant Plaza Hotel". Meine Erkältung hat so stark auf Bronchien und Stimmbänder übergegriffen, daß ich kaum mehr sprechen kann.

Die Lösung: Antibiotika. Sicher kein Problem in einem Land, wo in jedem Drugstore selbst das bisher kaum erforschte Melatonin frei verkäuflich ist.

"Sorry, Madam, Antibiotika gibt es nur auf Rezept", bedauert man indes in jeder Apotheke, die ich ansteuere. Fast am Ende meiner Kräfte, lasse ich spätabends nach einem Hotelarzt telephonieren. "Unsere beiden Vertragsärzte melden sich leider nicht", wird mir freundlicherweise nach einer Dreiviertelstunde beschieden.

Nach weiteren sechzig Minuten trifft ein Mediziner ein. "Bitte empfangen Sie mich in der Hotelhalle", hatte der Arzt schon mal fernmündlich verordnet.

Ob es eine Ecke in der Lobby gäbe, wo er mich untersuchen könne, lautet die erste Frage. "No Sir." Bleibt nur mein Hotelzimmer. "Da muß aber ein Sicherheitsbeamter mit", verlangt der Doc mit dem deutschen Namen nachdrücklich.

Noch einmal eine halbe Stunde, und es erscheint ein bis an die Zähne bewaffneter afroamerikanischer Schrank, der breitbeinig den Rahmen der sperrangelweit geöffneten Tür fast nahtlos ausfüllt. Durch die verbliebenen Ritzen spähen sensationsgierig Dutzende von Hotelgästen, die den Flur während der Arztvisite passieren.