Ältere unter uns werden sich noch an die Zeiten erinnern, als die asiatischen Tiger die Welt in Atem hielten: Währungskrisen, Börsenkrach, Exporteinbußen, Konjunktureinbruch, Arbeitsplatzverluste - Szenarien des Schreckens sorgten damals rund um den Globus für Schlagzeilen.

Doch das ist jetzt schon mindestens drei Wochen her - für Börsianer eine Ewigkeit. Die Aktienmärkte boomen, als hätte es eine Asienkrise nie gegeben.

Mediziner würden eine besonders ausgeprägte Art kollektiver Amnesie diagnostizieren und die Patienten auf die Couch schicken. Aber so irre das Verhalten der Aktienkäufer auch erscheint: Es folgt der besonderen Logik des Geschäfts. Dort zählt die Vergangenheit nichts und die Zukunft alles. Und die verspricht in den Augen der Börsianer weitere Kursgewinne. Denn um die realwirtschaftlichen Schäden der Asienkrise zu mildern, halten die Notenbanker die Zinsen länger niedrig. als erwartet. Das ist für die Börse bekanntlich die beste aller Welten - bis die Blase platzt und sich alle plötzlich wieder an die Vergangenheit erinnern.