Ein Hoch auf die ZEIT! Wenn auch ein gedämpftes. Überwiegend hat sie sich freigehalten von dem fahrlässigen Unfug, der durch die Presse geistert: Von einer angeblichen Sex-Affäre (S. 3) und den angeblichen Eskapaden Präsident Clintons (S. 4) sprach sie in der vorigen Ausgabe - juristisch korrekt, denn jeder hat für unschuldig zu gelten, solange er nicht überführt ist, und überdies plausibel, denn das Lügen kann man der Monica Lewinsky nicht minder zutrauen als dem Präsidenten. Welche Versuchung, sich des Beischlafs mit dem mächtigsten Mann der Welt zu brüsten, auch wenn er nie stattgefunden hätte!

Also war es nicht erträglich, daß die FAZ schrieb, Clinton leugne eine Beziehung (denn das Leugnen ist etymologisch und für jeden hörbar mit dem Lügen verwandt), und daß die Süddeutsche Zeitung, wie die meisten Blätter, die Sex-Affäre anprangerte. Nur gedämpftes Lob für die ZEIT deshalb, weil sie die sexuelle Wilderei Clintons (S. 4) und seine Sexkapaden (S. 5) aufspießte - und ob die auch hier stattfanden, ist doch gerade offen. Selbst wenn sie über Schmutz berichten, sollten Journalisten die Worte sauber wählen.