Die ganze Welt schaut nach Deutschland", sagt Magnus von Zitzewitz von der Plattenfirma PolyGram. Das ist zwar etwas übertrieben, aber für die Online-Welt gilt es sicher. Denn die Deutsche Telekom will zusammen mit den großen Plattenfirmen bis zum Sommer schaffen, was in Großbritannien und den Vereinigten Staaten bislang gescheitert ist: Verkauf und, das ist das Neue, auch Vertrieb von Musik der großen Plattenfirmen online, also direkt vom Anbieter in den Computer des Kunden - music on demand steht kurz bevor.

Die Telekom ist der große Antreiber. Ihre Kunden sollen wie in einem Plattenladen - nur eben am Computer und mit T-Online verbunden - die Musik probehören und dann kaufen können. Dazu wird die CD aus dem Datenzentrum der Telekom über die Leitung in den Computer zu Hause geschickt. Die Musik kann sich der Kunde dann direkt aus dem Computer anhören oder sich sogar selbst einmalig eine CD pressen.

Zur Zeit bieten Vergleichbares nur einige unbedeutende Plattenfirmen mit unbekannten Künstlern an. Die großen Unternehmen hielten sich bislang vornehm zurück. Die Technik für das Überspielen der Musik schien nicht attraktiv genug: Bis ein Musikstück von vier Minuten Länge im Rechner ankommt, braucht es via normale Telephonleitung 45 Minuten - und das treibt die Telephonrechnung enorm in die Höhe.

Die Telekom kann den Unternehmen in Deutschland ein besseres Angebot machen: ISDN-Leitungen erlauben es, die Musik in Echtzeit zu überspielen. Das geht deutlich schneller und kostet die Kunden weniger. Beeindruckt haben die Plattenfirmen auch die Extrainvestitionen der Telekom für music on demand etwa für die Musikdatenbank. Sie sollen im zweistelligen Millionenbereich liegen.

Lohn der Mühen: ein Rahmenvertrag mit dem Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft, dem Dachverband der Plattenproduzenten. Trotzdem ist die Telekom noch nicht ganz am Ziel. Die Verhandlungen mit den einzelnen großen Unternehmen wie Bertelsmann Music Group (BMG), EMI, PolyGram oder Sony Music ziehen sich hin. Gefeilscht wird beispielsweise noch um die Provision. Die Plattenfirmen wollen mitverdienen, wenn die Telekom durch den neuen Service neue Kunden verbucht. Um möglichst viele der großen Plattenfirmen ins Boot zu holen, haben die Bonner bereits nachgelegt: So wollen sie es beispielsweise in der ersten Phase übernehmen, die Musiktitel für den Online-Handel zu digitalisieren. Die Plattenfirmen kostet das dann zunächst nichts.

Diese ganzen Anstrengungen unternimmt der Fermelderiese nicht nur, um seinen T-Online-Dienst zu stärken. Mit rund 1,9 Millionen Kunden liegt man weit vor der Konkurrenz. Der Telekom geht es vor allem um die stärkere Verbreitung von ISDN. Schließlich hat das Unternehmen große Summen investiert, um die digitale Technik flächendeckend anbieten zu können. Nun soll der neue Service helfen, normale Telephonkunden in das ISDN-Netz zu locken. Denn durch eine Standardleistung kommt die Musik nicht in den Computer. Die Hoffnung der Telekom: Weil jeder ISDN-Anschluß zwei Kanäle hat, kann man beispielsweise über den ersten Kanal telephonieren und sich gleichzeitig über den zweiten Kanal in T-Online Musik liefern lassen. Der Gebührenzähler rattert doppelt.

Klar ist: Die Musik über das Kabel wird erst einmal teurer. Die Hersteller wollen zwar in T-Online zum gleichen Preis anbieten wie dem Handel - rund 22 Mark für eine CD. Doch anstatt der Handelsspanne kommen auf den Kunden dann die Telephonkosten für den Transport in den Computer hinzu: Für eine CD von einer Stunde Spieldauer sind das allein knapp 14 Mark. Gesamtpreis für eine Online-CD: rund 36 Mark.