Dieser Hund kann sprechen. Sein Grummeln, Hecheln, Winseln und Bellen kommen so ausdrucksvoll und punktgenau, daß man mühelos ein "Auf ihn!" oder "Hände hoch!" heraushört. Auch sonst ist Kommissar Rex, der jeden Kriminellen riecht und stellt, so gut wie ein Mensch, nur besser. Das macht unseren Helden so tierisch beliebt - und wirft konzeptuelle Probleme auf. Denn Rex ist vor allem treu. Was also tun, wenn der Kommissar Mensch an seiner Seite den Dienst quittiert? Ist es denkbar, daß diese Seele von Hund sein Herrchen wechselt?

Eigentlich nicht. Von Rex hätte man erwartet, daß er, ganz wie Tobias Moretti, der Darsteller des Polizisten Moser, kündigt, bevor er einem anderen sein Vertrauen schenkt - zumal auch Moser nicht sein erstes Herrchen war. Aber eine kultverdächtige Serie wie "Rex" hat die Pflicht, ihre Fans zu halten. Kommissar Moser wird geopfert; er stirbt in Ausübung seiner Pflicht, getroffen von der Kugel eines psychopathischen Mörders. Sein Hund kommt diesmal zu spät. Darüber und über den Verlust seines Herrchens grämt der sich redlich, wird aber dann, da ein neuer Fall ansteht und sein Spürsinn und seine Tatkraft vor die Kamera müssen, von Mosers Nachfolger adoptiert. Kommissar Brandtner hatte seinerseits einen vierbeinigen Kollegen, den er jüngst auf der Verbrecherjagd verlor und um den er noch trauert. Er gewinnt Rex sogleich für sich.

Diese Konstruktion ist so gewaltsam, daß sie der Krimi-Serie, die in Wien spielt und sich schon von daher durch eine nölig-humorige Gemächlichkeit auszeichnet, mit der Grundstimmung den dramatischen Boden entzieht. Auf dem Revier hatte man seinen Spaß und freute sich, wenn Rex seine Kommentare gab und die Wurstsemmeln fing. Jetzt plötzlich wacht man bei dem leidtragenden Köter ("Hallo, Rex, die Nachtschicht ist da!") und versucht ihm zu erklären, daß das Leben weitergeht. Das paßt alles nicht ins Bild. Die Sympathie für den blitzgescheiten Rüden, der schon mal seinem entwaffneten Herrchen im rechten Moment die Knarre apportiert, bekommt einen Riß.

Der neue Kommissar jedenfalls hat Rex viel zu schnell erobert - so wetterwendisch kann kein Hundeherz sein. Und für gutes Aussehen, das Brandtner-Darsteller Gedeon Burkhard reichlich mitbringt, interessiert es sich null. Ein Tier als Held, das auch noch sprechen kann, bringt Quote, legt aber einen engen Rahmen fest, innerhalb dessen die Seriendramaturgie funktionieren muß. Der Hund mit dem feuchten Blick, der plötzlich nicht mehr vergnügt und treu sein darf, macht klar, daß hier nur die Serie weitergeht - und nicht das Leben.