Alles wird schlechter? Klar. Müssen wir nicht drüber reden. Zwar ... Aber ...

Also. Kommt uns doch schon fast als Neujahrsböller auf den Tisch Band 8, mit dem Datum 1998, der Zeitschrift Welfengarten. Wir werden nicht müde, dieses "Jahrbuch für Essayismus", herausgegeben von den beiden Germanisten der Universität Hannover, Leo Kreutzer und Jürgen Peters, auszurufen. Und: Es ist im achten Jahr noch üppiger geworden. Im Welfengarten, so der Name des Barock-Parks in Hannover-Herrenhausen, marschieren keine Professoren oder Assistenten - hier wird promeniert. Und da sich Hannover zur Heimat für Forscher aus Afrika entwickelt hat, klagt Alain Patrice Nganang (Yaoundé): "Gegenüber Asien und Amerika ist Afrika als Figur des Anderen kaum präsent im Werk Brechts", gibt es eine Erzählung von Elias Onwuatudo Dunu (Nsukka) und eine Studie über "Herders Konzept kultureller Identität und sozialer Entwicklung" von Aloone Sow (Yaoundé). Afrika sei uns fern? Wie fern ist dann, selbst in einer aus Hannover kommenden Zeitschrift, eine Erzählung auf Plattdütsch? Petra Feil aus Friedrichskoog schreibt einen wunderbaren hoch-/platt-deutschen Mischtext über das Leben hinterm Deich: "Dodenstill kümmt di dat vör, aver dat is ni so." Das Schönste - und ein neues Genre in diesem Schmöker: fünf Gerichtsreportagen, in denen zwischen Fußballverletzung und Fixer-Elend deutsche Wirklichkeit 98 eingefangen ist. Wer in den Welfengarten geht, versteht Deutschland besser. (Revonnah Verlag, Hannover 200 Seiten, 25 Mark)