Friedrich Nietzsche sitzt auf der Terrasse. Er ist umrankt von grünem Laubwerk und zugestellt von Blumentöpfen, um die Knie ist, so sieht es aus, ein Plaid geschlagen. Auf der bröckelnden Terrassenmauer unter den aufgereihten Töpfen hat der Künstler die Botschaft des kranken Genius in Versalien gemalt. MEIN LEID UND MEIN LEIDEN WAS LIEGT DARAN. TRACHTE ICH DENN NACH GLUECKE? ICH TRACHTE NACH MEINEM WERKE! Das Bild von Nietzsche, 1904 von Curt Stoeving gemalt, hängt seit einigen Wochen in der Alten Nationalgalerie in Berlin. Auf demselben Stockwerk wie ein anderes Bild der, so oder so, domestizierten Natur, Manets "Im Wintergarten", das schon immer dort hing.

Stoeving, wer kennt ihn, hängt hier wegen des Sujets, das er metaphorisch zu gestalten wußte. Manet hängt hier wegen Manet.

Beide Bilder werden wir nach dem 15. Februar nicht mehr sehen, denn dann wird die Alte Nationalgalerie, die einer gründlichen Sanierung bedarf, geschlossen. Bis mindestens zum Jahr 2001. Manets berühmtes Bild eines Paares, das aus einem Roman Theodor Fontanes stammen könnte, werden wir zwar, zusammen mit anderen capovalori des Hauses, ab Mai im Obergeschoß des Alten Museums wiedersehen. Aber Nietzsche wird, nach der "Langen Nacht der Museen" am 14. Februar, in der Kunstfreunde, gestärkt durch Hans Beltings Schlußvortrag über "Deutsche Kunst und deutsche Identität", endlos zwischen Schadows "Prinzessinnen" und Menzels "Eisenwalzwerk" flanieren können, wieder im Depot verschwinden. Für immer? Schade.

Drei Plätze für ein "geistiges Weltgebäude"

"Der kurze Abschied vom 19. Jahrhundert" heißt die Ausstellung, für die Claude Keisch und Peter-Klaus Schuster, der Kustos und der Direktor der Alten Nationalgalerie, nicht nur Friedrich Nietzsche, sondern auch andere magazinierte Größen und Schlichtheiten ans kurze Licht des Tages geholt und in Umrissen die ursprüngliche Sammlung wieder sichtbar gemacht haben.

Natürlich blieben die Glanzlichter und Höhepunkte unverrückt: Menzel, Marées und die Deutschrömer und die französischen Impressionisten in der Malerei, Schadow, Begas, Hildebrand und Rodin in der Skulptur. Dazu aber wurden kleine, meist thematisch gebundene Kabinettausstellungen arrangiert: Orientmalerei, Interieurs, prominente Portraits, Männerrollen/Frauenrollen.

Ein spielerisch kenntnisreicher Umgang mit der Geschichte des Hauses, der mit großen Historienbildern im weiten Treppenhaus intoniert und dann, jenseits der Kunst, mit der Dokumentation der alten Baugeschichte und der neuen Umbaupläne ergänzt wurde.