Es muß schon sehr arg sein, wenn sogar Italiens Transportminister Claudio Burlando vor dem Parlament erklärt, daß sich die staatliche Eisenbahn in einem chaotischen Zustand befindet. Und das ist es auch: Wie es scheint, haben der Bahnvorstand Giancarlo Cimoli und der Bahnpräsident Giorgio Crisci fast die Kontrolle über die Ferrovie dello Stato verloren. Für das vergangene Jahr droht ein Verlust von umgerechnet fünf bis sechs Milliarden Mark, fast soviel wie die gesamten Einnahmen der Bahn. Zum finanziellen Desaster passen Meldungen über Korruption aller Art. Eine Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Vorstand und Präsident wegen Schmiergeldern, eine andere wegen des Verdachts, daß die Bahn umgerechnet drei Milliarden Mark Ansprüche auf Rückzahlung von Mehrwertsteuern in ihrer Bilanz aktiviert hat, die in Wirklichkeit gar nicht bestanden hätten, und diese dann mit fälligen Sozialabgaben verrechnete.

Andere Ermittlungen sind eingeleitet, weil die Bahnleitung sich angeblich goldene Beratungshonorare zustecken ließ. Mangels Instandhaltung und Modernisierung - die Mittel dafür fehlen - entgleisen fast wöchentlich irgendwo Züge. Und zu allem Überfluß sollen auch noch 12 000 Eisenbahner zur Kostenersparnis ausscheiden. Seit Monaten einigen sich Verwaltung und Gewerkschaften nicht, denn schon jetzt gefährden personelle Engpässe die Sicherheit des Bahnbetriebs.