Kurz vor dem Flug nach Hongkong hatte ich Clavells "Nobel House" gelesen.

Besonders beeindruckt hatte mich die Schilderung der Brandkatastrophe im Hafen: Auf einem der großen, mehrstöckigen Restaurantschiffe bricht ein verheerendes Feuer aus. Viele der Opfer fürchten sich vor dem Sprung ins Wasser und kommen deshalb in den Flammen um. Von denen, die es wagen zu springen, ertrinken die meisten. Kaum jemand auf dem brennenden Schiff kann nämlich schwimmen!

Die Chinesen - ein Volk von Nichtschwimmern? Ich hatte mich gewundert und vermutet, der Autor habe der Dramatik wegen ein wenig übertrieben.

Der Flug war anstrengend gewesen. Als ich erwachte, brauchte ich eine Weile, bis ich wußte, wo ich mich befand. Ich hatte sieben Stunden verschlafen. Es war kurz vor Mitternacht. Die nächsten drei Stunden verbrachte ich lesend dann zog ich Shorts, T-Shirt und Joggingschuhe an und verließ das Hotel in Richtung Hafen.

Auf der Pier, einer Fußgängerpromenade auf Betonpfeilern vor der Hafenfront des Hotels, fiel ich in einen leichten Trab. Ich genoß die würzige Seeluft und das beschwingte Gefühl, das mich immer überkommt, wenn ich irgendwo zu nachtschlafender Ortszeit hellwach auf den Beinen bin.

Nach kurzer Zeit hatte ich meinen Laufrhythmus gefunden und registrierte kaum, daß ich nicht allein auf der Pier war. Mit den Gestalten, die im Windschatten des Hotels nächtigten, wollte ich mich nicht näher befassen.

Vermutlich hatte ich deshalb das Liebespärchen nicht bemerkt, das sich zu diesem Zeitpunkt schon dort aufgehalten haben mußte.