In Bielefeld hatten die Wände vibriert, wie man es dort sonst nur von Dr.

Oetkers Wackelpeter kennt. Thomas Kellein, der Direktor der Kunsthalle, hatte eine Ausstellungseröffnung an einem Sonntagmorgen zu einer angreiferischen Predigt genutzt. Von "brutal angeordneten Sparmaßnahmen" sprach er, und eine "Lawine des hausgemachten Unglücks" nannte er die Restriktionen, mit denen er durch jahrelange Unterfinanzierung schon vor seiner Amtszeit entstandene Defizite wettmachen sollte. Die Stadtväter, im Bielefelder Zusammenhang auch eine Stadtmutter, reagierten prompt mit einer fristlosen Kündigung, wahlweise umzuwandeln in einen "Aufhebungsvertrag in gegenseitigem Einverständnis".

Aber man hatte bei diesem Schritt, der jeder puddingmäßigen Elastizität entbehrt, nicht einkalkuliert, daß Thomas Kellein in den zwei Jahren, die er in Bielefeld tätig ist, zwar nicht einen maroden Haushalt saniert. (dafür sind Kunsthistoriker auch nicht da), dafür aber mit seiner Arbeit Freunde und Parteigänger gewonnen hat. 2600 von diesen fanden sich rasch zu einer Unterschriftenaktion zusammen, Kellein wurde ins Rathaus gebeten, und es wurde, so heißt es, ein Übereinkommen getroffen, die zukünftige Zusammenarbeit betreffend. Ende gut, alles besser, so hoffen wir für den couragierten Kellein, seine parteilosen Parteigänger und Bielefeld.