Den Look hatte er schon 1979, Jahre bevor er berühmt wurde: Das zurückgestriegelte Haar, den herausfordernden Blick, das arrogant gereckte Kinn. Damals spielte er noch Baßgitarre bei der Wiener Underground-Combo Drahdiwaberl und hieß Hansi Hölzel. Ein Kleinbürgerkind aus dem Fünften Hieb, wie man die Bezirke in Österreichs Hauptstadt nennt. Ein Mann im Hintergrund, aber sichtlich zu Höherem berufen. Um die Kunstfigur Falco zu entwickeln, mußte gar nicht viel dazuerfunden werden. Schon das erste Lied mit dem Titel "Ganz Wien" enthielt alle Bestandteile, die sich später profitabel vermarkten ließen: Den müden Zynismus eines Mannes, der vom Leben beinahe zuviel bekommen hat, den Schmäh des Gürtel-Strizzis, die versteckten Drogenanspielungen. Es war die perfekte Begleitmusik für jenen Tanz auf dem Vulkan, der im Yuppie-Jahrzehnt zum Lieblingssport aller Parvenus avancierte.

"Der Kommissar" knallte dann ganz groß rein: Falcos Entdeckung, daß sich die Wiener Neigung zum wortreichen und doppeldeutigen Bramarbasieren bestens mit dem damals neuen Rap der Schwarzen in den USA vertrug, führte zu einem neuen Stil, den man rückblickend als Austro-Hop bezeichnen könnte. Danach surfte Falco mit "Amadeus" an die Spitze der amerikanischen Charts, schob mit "Jeanny" noch einen Sex-Schocker nach und wollte nicht wahrhaben, daß damit seine fünfzehn Minuten im Scheinwerferlicht verbraucht waren. In den letzten Jahren versuchte Falco mit zunehmender Verzweiflung, noch einmal eine Welle zu erwischen: "Mama, der Mann mit dem Koks ist da." Das Niveau sank, der Alkoholpegel stieg. Als Künstler hatte Falco längst abgedankt, als österreichische Genrefigur hätte er im Boulevard noch jahrzehntelang überleben können. Falco starb am vergangenen Wochenende bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik.