Den Gipfel seines Buches erklimmt der Autor gleich zu Beginn, auf der Schwäbischen Alb. Als einer von "zwei handverlesenen Redakteuren", wie er dezent schreibt, begleitet er den Bundeskanzler nach Wilflingen, wo Ernst Jünger lebt und an seinem 90. Geburtstag von Helmut Kohl besucht wird. Busche ist überwältigt von der Situation, von "Deutschlands Kanzler und Deutschlands Dichter". Zu viert sitzen sie an einem Tisch, "erfahren im Anekdotischen, was die Person Kohls, als auch im Literarischen, was das Werk Jüngers angeht".

So beginnt das Buch mit einer Hommage, und es endet mit dem Versuch einer Begründung, warum der Kanzler "auf seinem Platz bleiben (muß), so lange es geht". Dazwischen liegt eine politische Biographie, die eher trocken und spröde einen unaufhaltsamen Aufstieg beschreibt, der in der Bundesrepublik keine Parallelen kennt.

Das liest sich, nimmt man eine Auswahl aus zwanzig Kapitelüberschriften, dann so: "Kohl studiert". "Kohl fängt an". "Kohl will Parteivorsitzender werden".

"Kohl ist Parteivorsitzender". "Kohl will Kanzler werden". "Kohl wird Kanzler". "Kohl läßt sich wählen". "Kohl tritt noch einmal an". Der Inhalt hält, was das Verzeichnis verspricht. Es ist über weite Strecken ein umständliches, ein schwerfälliges Buch geworden.

Das ist schade, denn andererseits enthält diese Biographie auch anregende Thesen und manch treffende Beobachtung, so wenn Busche Kohl als einen Kanzler neuer Art beschreibt: Während alle früheren Kanzler schon vor dem Zweiten Weltkrieg Geschichte "erlebt und erlitten" hätten, rage "Kohl mit keinem seiner Züge über das Profil der Bundesrepublik hinaus. Er verschönert es aber auch nicht. Er bestätigt es nur. Das aber fast perfekt." Oder wenn er in kräftigen Strichen das Profil der Bonner Republik und ihres Kanzlers zeichnet: "Ein selbstbewußter, liberaler, sozialverantwortlicher Katholizismus, eine pragmatische Orientierung am akademisch gebildeten Bürgertum, ein ungezwungenes Zugehörigkeitsgefühl zu den Ländern Westeuropas, ein kräftiges und kräftigendes Gefühl für die eigene landsmannschaftliche Herkunft."

Bei seiner Prognose für die Zukunft hält sich Busche an die Astrologenregel: Formuliere deine Voraussagen so, daß sie mit allen möglichen Entwicklungen vereinbar sind. Da gebe es einmal "das Gesetz der Kontinuität" es besagt, daß die CDU seit 1983 bei jeder Wahl Stimmen verliert. Danach sei "es unwahrscheinlich, daß er noch einmal zum Kanzler gewählt wird". Dann gebe es zum andern "die Serie seiner Spielerfolge selbst in hoffnungslos erscheinenden Situationen", und diese Serie läßt den Kanzler und seinen Biographen wieder hoffen, zumal auf die SPD stets Verlaß sei: "Die CDU verliert. Aber die SPD gewinnt nicht."

So ist Busches Buch anregend im Detail und im Ganzen enttäuschend, und dies vor allem aus drei Gründen: Es hat wenig Gespür für Gewichte und Proportionen. Was ist, was war - im Rückblick auf eine lange Kanzlerschaft - wichtig und was nicht, was wird bleiben? Wen interessieren etwa heute noch Einzelheiten der Kießling-Affäre? Oder die demoskopischen Werte bei irgendeiner parteiinternen Wahl vor über zwanzig Jahren?