Der Fronleichnamstag 1997 war ein strahlender Sonnentag. Ursula K.

hat ihn, schemenhaft, ganz anders in Erinnerung: "Mir war kalt, und alles um mich herum erschien mir so dunkel", sagt die 59jährige Frau. Und dann habe sie damals noch gedacht: "Der arme Polizist, der hat auch kein leichtes Amt."

Der arme Polizist, das war jener Beamte, der Ursula K. an diesem Nachmittag mitteilen mußte, daß ihr Mann auf einem Feldweg, ein paar Meter weiter, soeben tot aufgefunden worden war - Herzversagen.

"In einem solchen Moment fühlt man nur noch Leere in sich. Ich war wie gelähmt", sagt die Witwe. Ersten Halt in der Schocksituation fand sie bei einem Pfarrer. Friedrich Wilhelm Botterbusch, evangelischer Seelsorger in der Gemeinde der K.s in einem kleinen Ort im Rheinland, war genauso wie Feuerwehr, Polizei und Rettungswagen alarmiert und zum Einsatzort gerufen worden - zu einem Dienst, der von vielen, die beruflich mit Notfallrettung zu tun haben, für immer dringlicher gehalten wird: der Notfallseelsorge.

Pfarrer Botterbusch hatte diesen Dienst, neben seiner normalen Gemeindearbeit, kurz zuvor übernommen. Inzwischen ist er schon fünfzehnmal zu solchen Einsätzen gerufen worden. Ausgerüstet mit gelber Schutzjacke, auf der ein Schriftzug "Notfallpfarrer" gut sichtbar leuchtet, mit Handy, Einsatzprotokoll, Textbuch und Abendmahlskoffer, hat er denen beigestanden, für die die regulären Rettungskräfte am Unfallort kaum Zeit haben: den Angehörigen der Opfer.

"Diese Menschen erleben in einer ganz unerwarteten Situation plötzlich den Verlust ihrer Lebensgrundlage, den Schock über den Tod eines geliebten Menschen. Da wird ein Chaos von Gefühlen ausgelöst", weiß Pfarrer Botterbusch. Und es kann schon eine große Stütze sein, wenn in solchen Momenten jemand da ist, der ein Gespräch anbietet und hilft, Empfindungen zu benennen oder auch Schuldgefühle zu verringern. Wie bei den Eltern, deren Säugling an plötzlichem Kindstod starb und die, wie immer in solchen Fällen, neben dem Schock auch noch die Hausdurchsuchung der Polizei zu ertragen hatten. Oder bei jener Rentnerin, die zum Friseur gegangen war und bei der Rückkehr ihren Mann auf dem Dachboden fand, wo er sich erhängt hatte.

Reden, trösten, einfach dasein, erst einmal dableiben. "Es ist sehr wenig, was wir tun können, aber doch für den Augenblick sehr viel", sagt der Geistliche. "Er hat mich einfach nur in den Arm genommen. Das hat mir in meinem Entsetzen unheimlich gutgetan", erinnert sich Ursula K.