Alles läuft nach Plan, Nelson Hunt ist stolz auf sich. Die drei Boeings 707 stehen mit laufenden Motoren auf dem von Scheinwerfern erhellten Rollfeld des Flughafens in New York. Gleich werden sie abheben. Ihr Flugziel: Zürich. An Bord: 1240 Tonnen reinstes Silber.

In dieser kalten Dezembernacht im Jahre 1979 ist der Milliardär Hunt optimistischer denn je. Nichts, so ist sich der 53jährige sicher, wird ihn mehr stoppen können auf dem Weg zu seinem großen Ziel: das Silber dieser Welt aufzukaufen und in der sicheren Schweiz zu horten. Der Preis für das Edelmetall ist bereits nach oben gerauscht. Erst von 6 Dollar je Unze auf 15 Dollar im Herbst 1979, und im Dezember ist die Unze dann gar bei sagenhaften 30 Dollar angelangt. Mehr als die Hälfte des amerikanischen Silbers besitzt Hunt zu diesem Zeitpunkt.

Nelson Bunker Hunt gibt der Finanzwelt der siebziger Jahre Rätsel auf. Er fährt Gebrauchtwagen, raucht nicht, trinkt nicht. Auf den Parties des texanischen Geldadels sieht man ihn nur äußerst selten. Er ißt gerne, nun gut. Aber die gewaltigen Mengen an Cheeseburger, Schokoladeneis und Milch-Shake, die der Dreizentnermann täglich verschlingt, kosten auch keine Riesensummen. Was will so einer nur mit so viel Silber?

Vielleicht hat er den Spieltrieb seines Vaters geerbt. Haroldson Lafayette Hunt hatte nach der Jahrhundertwende als Arizona Slim am Pokertisch einige Ölkonzessionen gewonnen und war darüber nach dem Zweiten Weltkrieg zum reichsten Mann Amerikas geworden. Seine fünfzehn Kinder aus drei Ehen zeigen anfangs aber kein so feines Händchen. Auch Nelson Bunker setzt mit erfolglosen Ölbohrungen einige Millionen in den Sand - bis er in Afrika fündig wird. In der libyschen Wüste stößt er Mitte der sechziger Jahre auf riesige Ölfelder. Seine angesammelten Verluste sind mit einem Schlag vergessen. Doch die Ernüchterung folgt schnell: Staatschef Ghaddafi verstaatlicht die Ölvorkommen 1971 und enteignet den jungen Hunt.

Der wird daraufhin immer wunderlicher und beginnt schließlich, mit seinem Bruder Herbert Silber in großem Stile aufzukaufen. Nach dem Debakel in Libyen mißtraut er jeder Regierung und, vor allem, deren Papiergeld: "Jeder Idiot kann Banknoten drucken." Ende der siebziger Jahre sieht er eine "kolossale Inflation" heraufziehen. Seine Überzeugung: Die Kommunisten infiltrieren weltweit die Volkswirtschaften, treiben die Teuerungsrate in die Höhe und wollen so die westliche Welt aushebeln. Der Einmarsch der Sowjets in Afghanistan und die weltweit anziehende Inflation machen ihn da nur noch sicherer.

Vor dieser Geldentwertung, so verkündet er, soll ihn das Silber schützen.

Gold sei dagegen zu politisch. Da greife ihm der Staat zu häufig ein. Daß er ein Spekulant sei, der den Markt kontrollieren und an den explodierenden Preisen verdienen wolle, bestreitet er beharrlich. Schon vor dem Jahreswechsel von 1979 auf 1980 reichen die Milliarden des Nelson Bunker Hunt nicht mehr für die Silber-Hamsterkäufe. Er reist um die Welt und wirbt bei anderen exzentrischen Milliardären mit seiner Theorie um Kredite. Ein Deal mit dem philippinischen Diktator Ferdinand Marcos scheitert zwar. Dafür kann er aber einige reiche Araber für seine Sache gewinnen. Der Kaufrausch hält an.