Einige tausend Siemens-Mitarbeiter bekommen schon heute einen Geschmack der Geschäftsreise von morgen. Sie buchen ihre Flüge, Mietwagen und Hotelzimmer am Computer im hauseigenen Intranet. Am Flughafen füttern sie den Check-in-Automaten der Airline mit ihrer Firmenkreditkarte. Der Computer druckt die Bordkarte, reduziert den Preis um den Siemens-Rabatt und belastet das Konto des Konzerns.

"Pay as you fly" heißt das Pilotprojekt, das die Lufthansa mit ihrem größten Kunden, der Siemens AG, betreibt. Der Clou des neuen Verfahrens: Das herkömmliche Papierticket entfällt, und der Flug wird erst dann abgerechnet, wenn der Kunde tatsächlich eincheckt. Umbuchungen und Stornierungen sind dadurch unproblematisch. Auch die Abrechnung von Rabatten für Großkunden ist mit der neuen Technik einfacher. Bisher werden sie mit Hilfe komplizierter Rechenmodelle nachträglich erstattet. Ergebnis: weniger Arbeit und geringere Kosten.

Das Beispiel ist richtungsweisend für die deutsche Geschäftsreisewelt. Denn die Kunden wie die Anbieter von Reisedienstleistungen unterliegen im weltweiten Wettbewerb einem immer höheren Sparzwang. Und der Reiseetat gehört zu den größten Posten, bei denen reduziert werden kann. 1996 gaben deutsche Firmen immerhin 152 Milliarden Mark für die Dienstreisen ihrer Mitarbeiter aus. Allein Siemens sparte seit der Neuordnung des Reiseeinkaufs vor einigen Jahren 180 Millionen Mark.

Im härter werdenden Konkurrenzkampf will Lufthansa ihre Vertriebskosten senken so kürzte sie den Reisebüros die Basisprovison für Inlandsflüge von neun auf fünf Prozent, andere Fluggesellschaften folgten diesem Beispiel.

Weil den Reisebüros sowieso kaum ein Prozent vom Umsatz bleibt, sind sie gezwungen, preiswerter zu arbeiten und in den elektronischen Verkauf zu investieren. Denn immer mehr Leistungsanbieter umgehen das Reisebüro ganz und suchen den direkten Weg zum Kunden. Längst können auch Privatkunden innerdeutsche Flüge direkt bei der Lufthansa buchen. Ein Anruf beim Call-Center in Kassel (Tel. 01803/80 38 03) genügt, eingecheckt wird mit der Kredit- oder Meilenkarte.

Voraussetzung für den direkten Draht zum Kunden ist der Wegfall des Tickets.

Denn bislang wurde das Reisebüro noch zum Flugscheindruck gebraucht. Das elektronische Ticket der LH, Etix genannt, kommt ohne Agentur aus. Es wird bereits von einem Drittel aller deutschen LH-Vielflieger genutzt, wobei aber meistens noch ein Reisebüro zwischengeschaltet wird. Seit neuestem kann das ticketlose Fliegen auch auf mehreren internationalen Routen genutzt werden.