Jerusalem

Nun will Saddam Hussein also wieder einmal Katz und Maus mit uns spielen. Wie merkwürdig bekannt uns das vorkommt, dieses tödliche Spiel. Und welche bösen Erinnerungen es an den vergangenen Golfkrieg weckt.

Damals gab es diesen versiegelten Raum, in den wir uns bei Saddams Angriffen drängten, verpackt wie Sardinen. Es gab kalkgetränkte Tücher unter der Tür und Klebestreifen über den Fensterritzen, um mögliche Gasschwaden abzuhalten.

Dann waren da noch die Gasmasken, deren sonderbarer Geruch mich jedesmal, wenn ich sie aufsetzte, an die Gummibrillen erinnerte, die ich während meiner Kindheit in Connecticut beim Schwimmen getragen hatte. Unsere Kinder sahen in ihren Gasmasken wie langnasige Schäferhunde aus, und manchmal sah ich durch die Plastiklinsen die Angst in ihren Augen.

Ja, die versiegelten Zimmer waren eine seltene Wohltat für den Familienzusammenhalt. Aus dem Radio ertönte sanfter Rock, um die Bevölkerung zu entspannen, während Saddams Raketen auf ihrem Weg zu uns waren. Und die milde Stimme des Sprechers der Armee sagte uns nach jedem Angriff, wo in Israel Scud-Raketen niedergegangen waren.

Hat Saddam tatsächlich vor, uns eine neue Episode zu bescheren? Wenn er wüßte, wie seine Raketen Israels grundverschiedene Menschen zusammengebunden und eine Zeitlang die Wunden unserer Gesellschaft geheilt haben, er würde nicht einmal davon träumen, all das bald zu wiederholen.

Natürlich ist jetzt vieles anders. Vor allem geht es diesmal um Anthrax, nicht um Gas. Gasmasken und Klebestreifen werden nicht helfen. Stehen wir wirklich vor der Gefahr eines biologischen Krieges, und wenn das so ist, hätten wir nicht längst gegen Anthrax geimpft werden müssen, wie das bei den amerikanischen Soldaten bereits geschehen sein soll?