Müllheim

Das Städtchen im Badischen sollte nicht nachstehen im Jubiläumsjahr der 48er Revolution, meinten wackere Mitglieder des örtlichen Museumsvereins und schlugen vor, an Friedrich Hecker und Gustav von Struve, die beiden Anführer der Revolution im Großherzogtum, zu erinnern, indem man nach dem einen und/oder dem anderen eine Straße benenne. Nicht irgendeine, sondern eine (oder zwei) repräsentative.

Nun ist aber Straßenbenennung allein Sache des Gemeinderates. Zudem haben die geschichtskundigen Müllheimer auch noch eine ganz bestimmte Straße für Friedrich Hecker vorgesehen, nämlich die ohnehin umstrittene, noch in der Entstehung begriffene Östliche Allee, eine Straße, die den innerstädtischen Verkehr entlasten soll, unter den Müllheimern aber zum Zankapfel geworden ist. Schließlich ist die Initiative aus dem Museumsverein zur Erinnerung an die führenden Männer der badischen Revolution als Akt ausgleichender historischer Gerechtigkeit begründet worden, nämlich weil bereits "drei bedeutende Straßen in Müllheim benannt sind nach Persönlichkeiten aus dem vorigen Jahrhundert, die - unbeschadet ihrer teilweise auch heute noch anzuerkennenden historischen Verdienste - in ihrer politischen Haltung und nach ihren Tätigkeiten historisch einzuordnen sind als preußische Mi litaristen, Gegner einer Demokratie sowie Protagonisten des unheilvollen Begriffs der ,Erbfeindschaft' zwischen Frankreich und Deutschland (Werder, Bismarck, Moltke)".

Bismarck, Moltke und General von Werder sind vertreten

Tatsächlich sind in Müllheim wie überall in Deutschland Straßen nach Bismarck und Moltke und mancherorts auch nach dem General von Werder benannt, dessen Beschießung und Belagerung die Stadt Straßburg 1870 nicht zu widerstehen vermochte. Doch was hat Müllheim, das sich als "das Herz des Markgräflerlandes" versteht, mit diesen historischen Persönlichkeiten sozusagen persönlich zu tun gehabt?

Vom sogenannten Eisernen Kanzler weiß man zwar, daß er Wein wie auch Champagner sehr zugetan war, nichts aber über etwaige besondere Vorlieben für die Markgräfler Reben. Derlei ist auch vom Parchimer Moltke sowenig bekannt wie von dem selbst lexikalisch verschollenen Werder. Friedrich Hecker aber war ein Sohn Badens, Gustav von Struve, zwar zugewandert und politisch hier zu Hause.

Zu Müllheim war es, wo das gegen den Revolutionär Struve verhängte Standgericht über seine Zuständigkeit eine ganze Nacht lang debattierte, bevor dann ein ordentliches Gericht gegen den demokratischen Sozialrevolutionär den Prozeß in die Hand nahm. Hecker war da schon nach Amerika emigriert, wohin ihm Struve nach seiner Verurteilung und Befreiung beim letzten ehrenvollen Aufwallen der badischen Revolution folgen sollte.