Wäre die politische Lage in Algerien nicht so prekär, die Aussichten für eine Belebung der deutsch-algerischen Wirtschaftsbeziehungen könnten kaum besser sein. Klaus-Dieter von Horn, im Bonner Wirtschaftsministerium für den nordafrikanischen Staat zuständig, attestiert dem Land jedenfalls gute Noten: "Die wirtschaftliche Entwicklung verläuft durchaus positiv das hat sogar der IWF erst kürzlich bestätigt."

Der Internationale Währungsfonds kann in der Tat zufrieden sein. Nach erfolgreichen Umschuldungsverhandlungen hat sich Algerien dem strikten Therapieverlangen der Währungswächter unterworfen und die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs gebracht. Die Wachstumsraten lagen 1995 und 1996 real knapp über vier Prozent. Der Staatshaushalt erzielte Überschüsse, die Inflation ist reduziert, die Währung seit der Abwertung 1994 relativ stabil, und die Exportfähigkeit gestärkt. Die lange verschleppte Umstrukturierung der algerischen Staatsunternehmen kommt ebenfalls voran: Dezentralisierung und Privatisierung sind eingeleitet worden.

Wäre nicht der Terror der GIA (Gruppen Islamischer Armeen), die beinah täglich Anschläge verüben, jedem Ausländer den Tod androhen und das Land erklärtermaßen in ein totales Chaos verwandeln wollen, könnte Algerien sogar zum Vorreiter der Mittelmeerpartnerschaft werden, die vor zwei Jahren auf der Barcelona-Konferenz zwischen der Europäischen Union und den Mittelmeeranrainern verabredet wurde.

Die deutsch-algerische Handelsbilanz hat allerdings im ersten Halbjahr 1997 einen deutlichen Dämpfer bekommen. Die Importe aus Algerien sind um 35 Prozent gesunken, die deutschen Exporte um 10 Prozent. Derartige Schwankungen in bilateralen Handelsbeziehungen seien jedoch nicht ungewöhnlich, meint man im Wirtschaftsministerium. Überdies müsse berücksichtigt werden, daß Algeriens Kaufkraft wegen der gesunkenen Ölpreise zurückgegangen sei. Auch Staatsminister Werner Hoyer vom Auswärtigen Amt bewertet die bilaterale Bilanz positiv er bedauert jedoch, daß sie durch die inneren Unruhen überlagert sei.

Die Entwicklung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit schlägt sich auch nicht allein in den nüchternen Zahlen der Handelsbilanz nieder, sondern vor allem in den direkten Kontakten deutscher Unternehmer mit algerischen Partnern. So finden Geschäftsreisen nach wie vor statt. Darüber hinaus tagt in regelmäßigen Abständen das Deutsch-Algerische Geschäftsforum, eine Gründung der Nordafrika-Mittelost Initiative der deutschen Wirtschaft. Bei dem jüngsten Treffen wurde wiederum eine Reihe konkreter Projekte beschlossen, an denen sich Firmen wie MAN, ZF, die Deutz AG und Otto Wolff beteiligen werden.

Die algerische Baufirma Holding Bâtiment et Materiaux de Construction hat Kontakte zu Siemens und KHD geknüpft. In Algier wurde eine Niederlassung der Arab Banking Corp. Daus & Co. (Frankfurt) eröffnet. Eine Entscheidung über die Teilnahme deutscher Firmen an Infrastrukturprojekten wie dem Bau von 800 000 neuen Wohneinheiten in den nächsten drei Jahren wird in Kürze erwartet. Claude-Robert Ellner vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) in Köln bewertet das jüngste Treffen als "vollwertigen Ersatz für mehrfache Reisen nach Algerien".

Daß sich die Wirtschaftsbeziehungen zu Algerien in den vergangenen zwei Jahren vor allem klimatisch deutlich verbessert haben, geht auf eine Einladung der Algerier zurück. Diese hatte Staatsminister Hoyer 1996 nach einem Besuch in Algier mitgebracht. "Algerien", sagt Hoyer, "ist ein Industriemuseum der DDR und BRD aus den sechziger und siebziger Jahren. An jeder Ecke und an jeder Maschine gibt es Anknüpfungspunkte für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit".