"Ich weiß, welche Bilder in die Welt gehen oder nicht." So lautete die berüchtigte Erklärung, mit der Helmut Kohl 1993 sein Fernbleiben bei der Trauerfeier für die Opfer von Solingen rechtfertigte. Kohl fürchtete die Schlagbilder der Presse, ihre negative Ikonographie. Denn Ikonographie ist alles, und längst hat sie das Wort besiegt. In welchem Ausmaß, das zeigt Michael Diers' Studie über "Schlagbilder" (S. Fischer-Verlag, Frankfurt am Main 1997 224 S., 24,90 DM). Politische Ikonographie macht süchtig nach Geschichte. Deshalb arrangierte Bill Clinton den Handschlag zwischen Rabin und Arafat als ein Historienbild, das den Gestenkodex der Fürstenbegegnung zitiert. Clintons Krawatte zeigte ein Trompetenornament, Hinweis auf die Posaunen von Jericho und Clios Fanfare des Fortschritts. Ein "Schlagbild", das um die Welt ging.