Es sind wohl nicht viele unter Ihnen, liebe ZEIT-Leser, die sich so richtig freuen auf die große Weltausstellung in Hannover, die Expo 2000.

Nicht einmal die Hannoveraner sind Feuer und Flamme. Im Gegenteil: Die meisten murren.

Murren sie bloß deshalb, weil das Murren der beständige Unterton im Soundtrack unserer Tage ist? Oder weil die Deutschen nicht Virtuosen sind in der schönen Kunst, sich zu freuen? Oder weil sie, sobald Neues ansteht, prompt das ungeliebte Alte lieben und vor allem ihre Ruhe?

Was immer die Gründe sein mögen: Die Weltausstellung - die erste überhaupt in Deutschland - begeistert niemanden, und am wenigsten strahlen derzeit ihre Organisatoren. So wird auch die Expo nicht ausstrahlen auf den ganzen Globus, was ihr Zweck wäre. Außer Spesen nichts gewesen, außer Krach nichts gebracht?

Pech für die Urheber der Weltausstellung: Sie haben übersehen, daß die Welt ins digitale Zeitalter eingetreten ist. Die Expo werden sie zwar mit Unmengen von elektronischem Schnickschnack anreichern Hannover wird nicht Schau, sondern bewegte Show. Ansonsten wird sich die erste Ausstellung des neuen Jahrtausends nicht grundlegend unterscheiden von den vorangegangenen, die das industrielle Zeitalter einläuteten und dessen Blüte feierten, die erste 1851 in London. Ein abgescheuertes Muster aus dem 19. Jahrhundert soll also das 21. Jahrhundert eröffnen. Aber es paßt nicht mehr. Darin liegt der tiefere Grund für die allgemeine Halbherzigkeit. Hannover wird eine halbe Sache.

Es sei denn, die Macher denken im letzten Augenblick um. Ihre Materialschlacht ist nicht zu gewinnen in den Zeiten des Immateriellen, des Virtuellen. Soll es eine wirklich epochale Ausstellung geben - wie einst in Paris, als Eiffel seinen Turm errichtete -, dann darf die Expo nicht allein in der norddeutschen Tiefebene stattfinden: Eine Weltausstellung von heute hat ihren Platz vor allem im Internet.

Angenommen, die Organisatoren schafften es, ihren Etat blitzschnell umzuschichten. Sie brächten den Mut auf, zweihundert Millionen Mark weniger zu verbetonieren und den Betrag - oder auch nur die Hälfte - in eine einzigartige "Nebenausstellung" im Internet zu investieren: Man wird sich lange an Expo-Chefin Birgit Breuel erinnern. Ich wette, verehrte Frau Breuel, die elektronische Expo würde besser besucht und bewirkte mehr als die in Niedersachsen.