Die Malerei, so ein Traktat des italienischen Renaissancekünstlers Cennino Cennini, sei jene Kunst, welche mit Recht verdiene, die zweite Stufe nach der Weisheit (scientia) einzunehmen. Warum nicht gleich die erste? Wie eine "Biene, die nur den süßesten Honig sammelt" (Ascanio Condivi über den Zeitgenossen Michelangelo), ahmt sie die Natur ja nicht bloß nach (Andreas Palladio), sondern ist rechtmäßige Tochter derselben (Leonardo da Vinci), zugleich "Schöpfungsakt" (Francisco de Hollanda) und Ausgangspunkt aller exakten Naturforschung (Erwin Panofsky). Auch das ist das alte Programm: den ganzen göttlichen Kram mit Hilfe von Feder und Pinsel zu bannen.

Was für eine Verschwendung. Was für ein Ergebnis. "Was Schönheit sey, weiß ich nit", bekannte Albrecht Dürer. Obwohl sie angeblich so vielen Dingen anhängt.

Da geht er auf, der Mond, und schweiget. "Die Struktur des Universums", behauptet John Barrow, sei unserem ästhetischen Empfinden eingeprägt. Dafür bleibt er zwar den Nachweis schuldig. Aber immer noch besser als umgekehrt.

Nach Klavierkonzerten, schrieb George Bernard Shaw, gebe es nichts Besseres, als einfach so dazusitzen und sich die Zähne bohren zu lassen. Eine schöne Übung in Bescheidenheit.

Ernst Peter Fischer: Das Schöne und das Biest Ästhetische Momente in der Wissenschaft Piper Verlag, München 1997 288 S., 39,80 DM

Olaf Breidbach (Hrsg.) natur der ästhetik - ästhetik der natur Springer-Verlag, Wien 1997 269 S., 78,- DM

John D. Barrow Der kosmische Schnitt Die Naturgesetze des Ästhetischen aus dem Englischen von Anita Ehlers Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 1997 344 S., 49,80 DM