Weit und breit kein Superlativ auszumachen, keine gewaltig sich wölbende Glashalle (wie in Leipzig), keine "größte frei tragende Messehalle der Welt" (wie in Hannover), kein anmutiger Architektur-Preziosen-Park (wie in Brünn) und anstelle eines kilometerweit sichtbaren Funkturmes nur der viereckige Backsteintower und das alte Empfangsgebäude als Erinnerung an das, was hier vorher war, an den Flughafen München-Riem. Und statt dessen? Eines der gebrauchstüchtigsten, klarsten, ansehnlichsten, auch angenehmsten Messeareale, die es gibt, freundlich zu Ausstellern wie zu Besuchern. An diesem Donnerstag ist es eröffnet worden.

Freilich ist hier, nur acht Kilometer östlich vom Zentrum der bayerischen Landeshauptstadt entfernt, viel mehr als nur ein neues, das alte auf der Theresienhöhe ersetzende Messegelände geplant worden: Ein ganzer neuer Stadtteil wird sich auf dem fast 560 Hektar messenden Oval des ehemaligen Flughafens ausbreiten.

Es hat sich Außerordentliches dabei zugetragen. Die Messegesellschaft hatte rasch über die Chance nachzudenken begonnen, als 1985 der Umzug des Flughafens ins Erdinger Moos beschlossen war die Stadt München wiederum hatte sich rechtzeitig eine "nachhaltige Stadtentwicklung" vorgenommen, die den Ansprüchen der Agenda 21 gehorcht, wie sie 1992 auf der Umweltkonferenz der Vereinten Nationen in Rio beschlossen worden sind. Das Projekt hatte demzufolge ökologisch wie ökonomisch effektiv zu sein und "soziale Ausgewogenheit" anzustreben. Das hieß, sparsam mit Bodenfläche, schonend mit Ressourcen umzugehen, Baugebiete zu verdichten, sich um kurze Wege zu bemühen, mithin den Straßenverkehr zu beschränken, zudem alle städtischen Nutzungen störungsfrei miteinander zu mischen.

Inzwischen gibt es: auf den Dächern eine riesige Photovoltaikinstallation (eine Million Kilowatt im Jahr) eine eigene Müllsortieranlage ein Blockheizkraftwerk. Ein Sechstel des 73 Hektar großen Messegeländes ist grün (mit über 2000 Bäumen und fast dreißigmal soviel Sträuchern) der zweiteilige See am Haupteingang ist nicht zuletzt Regen- und Grundwassersammelbecken.

In unmittelbarer Nachbarschaft der Messe werden 6000 (zu zwei Dritteln öffentlich geförderte) Wohnungen für 16 000 Menschen errichtet, aber auch 13 000 Arbeitsplätze angesiedelt, am Südrand ist ein mit allen Teilen Neu-Riems verflochtener Landschaftspark geplant. Den städtebaulichen Ideenwettbewerb für das ganze Terrain hatte 1991 der Frankfurter Architekt Jürgen Frauenfeld gewonnen, den folgenden Wettbewerb für die Messe der Kopenhagener Erik Bystrup mit seinen Partnern. Er ist es auch, der - unterstützt vom Münchner Büro Kaup, Scholz und Jesse, den Architekten des Messe-Kongreßzentrums - Anlage und Architektur der Neuen Messe Münchens entworfen hat.

Die bisher vollendeten zwölf Hallen säumen je zur Hälfte nördlich und südlich der Hauptachse eine Atrium genannte grüne Allee sie ist 35 Meter breit und verbindet die 650 Meter voneinander entfernten Eingangshallen miteinander: den östlichen Nebeneingang, den eine 83 Meter hohe, mit Scheiben beringte Lichtkunst (und Reklame)-Stelle markiert, und den Haupteingang, der sich im Westen der Stadt zuwendet. Der öffnet sich mit einer sehr großen, sehr hohen, lichtdurchfluteten Halle, an die auch die beiden Nachbargebäude angekoppelt sind: das Kongreßzentrum mit seinen neunzehn Sälen, einer Ausstellungshalle und dem mit 650 Plätzen größten der zwanzig Messerestaurants an der nördlichen Flanke und das auffallend freundliche Messehaus der Verwaltung an der südlichen. Alle drei Bauwerke werden von einer durchbrochenen Kulissenwand und einem Arkadengang zusammengehalten. Und eines Tages wird sich südlich der zentrale Platz Neu-Riems auftun mit U-Bahnhof, Hotel, Einkaufszentrum, mit sechsstöckigen Wohnhäusern und einer Allee.

Die eigentlichen Vorzüge der Messe sind ihre Übersichtlichkeit und ihre Gebrauchstüchtigkeit. Das Rückgrat bildet die lange Mittelachse des Atriums, die der Münchner Landschaftsarchitekt Gottfried Hansjakob als eine grüne, mit Bäumen und Wasserspielen geschmückte, von drei gläsernen Brücken überquerte Gartenallee gestaltet hat. Zu beiden Seiten sind daran die zwölf Hallen angeordnet. Parallel dazu erstreckt sich unter dem Vordach der nördlichen Hallenreihe ein heller, komfortabler Expreßweg mit einem Laufband, der Länge nach versehen mit vielen nützlichen Räumen und Restaurants, alle jeweils der Halle zugeordnet, in die der Blick fällt.