Mehr als zwanzig Jahre lang hofften deutsche Psychologen auf ein Gesetz, um endlich ihrem Beruf unabhängig von Medizinern nachgehen zu können. Nun ist das Psychotherapeutengesetz endlich beschlossen - und schon drohen ganze Verbände und Organisationen, es zu mißachten. Denn es verlangt künftig Qualifikationen in einer wissenschaftlich anerkannten Therapie.

Bisher durften die Seelenheiler in psychiatrischen und anderen Kliniken praktizieren, wie es ihnen und dem Chefarzt paßte. Doch nun haben jene Therapeuten ein Problem, die ihre Ausbildung in obskuren Ecken des florierenden Psychobasars absolviert und sich über die oft ernüchternden Ergebnisse der Therapieforschung erhaben gefühlt hatten.

Den vermeintlichen Ausweg aus der Klemme glaubt der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen gemeinsam mit anderen Fachorganisationen gefunden zu haben: Die Kollegen müßten ihre Behandlungen eben "umbenennen".

Die Verbände riefen sogar schriftlich zur "Guerillatherapie" auf.

Dieser Betrug wird nicht dadurch besser, daß manche Kassenpsychologen ihn bereits praktizieren. Sie sind nämlich längst auf anerkannte Verfahren festgelegt - und halten sich nicht daran, wie Hans-Ulrich Wittchen vom Münchner Max-Planck-Institut für Psychiatrie festgestellt hat.

Gewiß, die Liste anerkannter Verfahren wird von den Verbänden teilweise zu Recht kritisiert. Etwa weil auf ihr Methoden fehlen, die nachweislich in seelischer Not helfen können - wie die Gesprächstherapie nach Carl Rogers.

Dafür steht dort die Langzeitpsychoanalyse, obwohl keineswegs klar ist, ob ihre hohen Kosten den Erfolgen entsprechen. Doch die Krankenkassen bezahlen beflissen dafür, weil die bisher tonangebenden Ärzte diese Therapieform lieben.