Wenn im öffentlichen Dienst ums Geld gefeilscht wird, ist stets ein Spektakel garantiert. Der Bundesinnenminister schwebt mit dem Helikopter in Stuttgart-Degerloch ein, Grenzschützer sichern das Gelände, die Gewerkschafter rücken bisweilen zu mehreren hundert an. Vorher Proteste allerorten, nachher scharfe Kritik am jeweiligen Gegner, dann hebt sich der Hubschrauber wieder in den Abendhimmel.

Schade nur, daß der Pomp in trostlosem Gegensatz zur Vergeblichkeit des ganzen Bemühens steht. Am Dienstag hatten sich die Kontrahenten zum dritten Mal nichts zu sagen. Nun soll es Anfang März weitergehen was dabei herauskommt, ist ziemlich sicher. Die Verhandler werden sich ihr eigenes Scheitern attestieren und das Geschäft wieder einmal zwei alten Männern überlassen: den Schlichtern Hans Koschnick und Carl-Ludwig Wagner. Es lebe die heilige Tarifautonomie!

Man kann ja verstehen, daß Verteilungskämpfe keinen Spaß machen, wenn es nichts zu verteilen gibt. Sparzwang auf der einen Seite, sinkende Realeinkommen und Personalabbau auf der anderen - da bleibt wenig Raum für attraktive Kompromisse. Doch das ist noch lange kein Grund, öffentlich die eigene Selbstblockade zu inszenieren.

In groben Zügen ist doch klar, was am Ende herauskommen wird. Die Gewerkschaften werden bei der Berechnung der Lohnfortzahlung für Kranke Federn lassen müssen. Erstens ist kaum zu vermitteln, warum es den Staatsdienern hier auf Dauer bessergehen soll als anderen, zweitens haben sie einen wichtigen Bündnispartner verloren: Die Sozialdemokraten in Ländern und Gemeinden, die noch 1996 Klassenbewußtsein demonstrierten, sind heute wieder ganz Arbeitgeber. Auch bei der Zusatzversorgung, die die Rente kräftig aufstockt, sind gewisse Einschnitte nur schwer zu vermeiden. Kanther und Co.

wiederum wissen, daß sie eine Rückkehr zur Vierzigstundenwoche nicht durchsetzen können und auch eine bescheidene Nominallohnerhöhung herauskommen muß. Ein freudloses Nullsummenspiel also, das nur durch eine Einigung bei der Altersteilzeit etwas verschönt werden könnte.

Für das nächste Mal ließen sich dann lohnende Themen finden: zum Beispiel kürzere Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich, zumindest für die Gutverdienenden, damit auch der Staat neue Jobs schaffen kann. Bisher mochten weder Arbeitgeber noch ÖTV-Basis über dergleichen auch nur verhandeln. Nötig wäre es schon. Nicht zuletzt damit die Tarifautonomie nicht vollends zum Trauerspiel verkommt.