Angespannte Stimmung beim größten deutschen Elektrokonzern. "Wir werden keine Siemens-Mitarbeiter zweiter Klasse akzeptieren", schimpft Alfons Graf, der sonst eher moderate Vorsitzende des Gesamtbetriebsrates. Der Grund für seinen Zorn: Beim Umbau des Konzerns wollen die Manager auch an die Tarife eines großen Teils der 192 000 inländischen Siemensianer ran.

Dabei schien sich zuerst alles ohne große Aufregung regeln zu lassen. Nachdem der Münchner Konzern sich für viel Geld die Gebäudemanagementsparte des Schweizer Elektrowatt-Konzerns (rund 20 000 Beschäftigte) gekauft hatte, sollten auch die Siemens-Mitarbeiter, die sich in verschiedenen Bereichen bereits mit technischen Dienstleistungen rund ums Gebäude beschäftigt hatten, in die neue Konzerntochter hinüberwechseln. Das Dienstleistungsgeschäft verspricht zwar einerseits hohe Wachstumsraten, andererseits bezahlt die Konkurrenz auf diesem Feld nach den vergleichsweise niedrigen Handwerkstarifen und nicht nach den bei Siemens üblichen - deutlich höheren - Industrietarifen der IG Metall. Für die betroffenen Kollegen wollten die Arbeitnehmervertreter denn auch über "Ergänzungstarife" mit sich reden lassen. Doch als die Verhandlungen vergangene Woche losgingen, sattelte der Vorstand zur Überraschung von Graf drauf. Auch Monteure und Installateure anderer Siemens-Bereiche sollten in die neuen Konditionen mit einbezogen werden, was die Zahl der Betroffenen schlagartig auf 25 000 Personen erhöhte.

Da wollen die Betriebsräte aber so nicht mitspielen. Zwar sei man bereit, für diesen Kreis flexiblere Arbeitszeitmodelle zu vereinbaren, aber eine generelle Herabstufung sei nicht drin. Noch wird verhandelt. Aber wenn sich der Vorstand unnachgiebig zeigt, sagt Graf, "sind wir auch bereit, Riesenzoff zu machen".