Die Frankfurter Allgemeine Zeitung zeigt einen klugen Kopf: Bertolt Brechts Konterfei, ganzseitig, ein schönes Bild, nicht hinter dem Blatt versteckt. "Wir wissen, daß Sie zumindest eine seiner Vorlieben teilen", steht in der Mitte. Ganz klein in der Ecke unten die Lösung: "Bertolt Brecht, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, las die gleiche Zeitung wie Sie."

Vielleicht darf man die Annonce ausnahmsweise einmal mit dem Leitartikel des Blattes zusammenlesen. "Lob eines Kommunisten" ist der nämlich überschrieben.

Vor allem: So ist er auch gemeint! Abwägend setzt er den Augsburger Autor, für den der Kommunismus die "Rolle einer Inspirationsapparatur" gespielt habe, mit Thomas Mann auf eine Stufe. Unser Brecht! ruft die FAZ.

Als kürzlich an den "50sten Geburtstag" von Adornos und Horkheimers legendärer "Dialektik der Aufklärung" erinnert wurde, rieb man sich schon die Augen. Man muß es lesen, stand da, es lebt und bebt. Unser Adorno! Während andere, von denen man Lobendes für die kritischen Frankfurter Geister eher erwartet hätte, die Frankfurter Rundschau zum Beispiel, mißmutig abwinkten: Warum soll man sich groß auf die verstaubten Kategorien einlassen?

Was tun, wenn das Blatt für sich demnächst noch mit Gregor Gysi wirbt? Unser Gysi? So weit schießen die Frankfurter beim Lob für die roten Socken doch hoffentlich nicht über das Ziel hinaus.