Kaum ist der Sohn eines protestantischen Straßenarbeiters aus Island der (auch geistigen) Enge seiner Inselheimat entflogen, sucht er das ganz andere.

In einem Kloster in Luxemburg tritt der zweiundzwanzigjährige Halldór Gudjónsson 1923 zum Katholizismus über - sucht aber wenig später Distanz zu der (einen freien Kopf beengenden) Obrigkeit.

Kommt so ein "Naturkind" - so der Titel der romantischen Bauer-Erzählung, mit der Laxness, wie er sich nach dem Bauernhof des Vaters nennt, als Gymnasiast debütiert - in die Welt der großen Städte Amerikas, ist er vom sozialen Unrecht der kapitalistischen Gesellschaft schockiert und sieht sein Heil, wie viele damals, in der für "Kommunismus" kämpfenden, jungen Sowjetunion. Doch ist dem freiheitstrunkenen Isländer auch die Gängelei durch die rote Kirche zuwider. "Barbarei" nennt er die Verfolgung sowjetischer Schriftsteller.

Man ahnt: der am 23. April 1902 in der Nähe von Reykjavøk geborene Selbstdenker wird es im Jahrhundert der Totschlag-Ideologien nicht leicht haben. Wie gehen die Mitmenschen um mit einem Künstler, der bekennt: "Ich bin Taoist gewesen, später Expressionist, Surrealist, Freudianer usw., schließlich marxistischer Mitläufer, obwohl ich Marx nie gelesen habe"?

Herrliche Zeiten, als Laxness, nach Reisen in die Alte, in die Neue Welt, bei der Heimkehr 1930 stolz bekennen konnte: "Ich bin freier Linkssozialist."

Frei und Sozi? Links und frei? Nach Stalins Schauprozessen, nach Hitlers Wahnsozialismus und einem Vernichtungskrieg, nach dem Verrat aller Ideale der Aufklärung durch einen "real existierenden Sozialismus" ist die Position eines Autors brüchig geworden, der 1953 den "Weltfriedenspreis" der Sowjetunion, zwei Jahre später den Nobelpreis für Literatur entgegennimmt.

Ideologische Bedenken muß ein Erzähler nicht haben, der sich keiner der einander kalt bekriegenden Weltmächte verpflichtet weiß, sondern sich als Sänger des "Weltlichts" versteht, wie er seine abgeschlossene Roman-Tetralogie (1940) nennt.