Die Tourismusbranche reagiert auf die zunehmende Jobunsicherheit in Deutschland. Wer ohne eigenes Verschulden arbeitslos wird, kann bei einigen Veranstaltern und Versicherern neuerdings fast kostenlos von einer gebuchten Reise zurücktreten. Die Vorreiterrolle übernahm die TUI, die ihren Kunden schon seit August ihr Versicherungsbündel Optimal-Paket (von 39 Mark an) inklusive Rücktrittsrecht bei plötzlicher Arbeitslosigkeit offeriert. Partner dieses Pilotprojekts ist die Europäische Reiseversicherung, die den klassischen Kriterien bei einer Reiserücktrittskostenversicherung - Tod, Unfall, Krankheit, Unglück - die plötzliche Arbeitslosigkeit hinzufügte.

Der "kleine Qualitätsvorsprung" der TUI ist allerdings schon egalisiert. Seit Januar bietet die Europäische diesen zusätzlichen Schutz auch direkt an.

Allerdings gilt dies nur für Versicherungspakete (Ferien-Paket für Europareisen von 39 Mark an und Rat & Tat-Paket für Weltreisen von 79 Mark) an. Eine separat abgeschlossene Reiserücktrittskostenversicherung der Europäischen (von 23 Mark an) übernimmt beim Verlust des Arbeitsplatzes auch weiterhin keine Stornokosten. "Wir wollten unsere Pakete aufwerten", erklärt Firmensprecherin C1audia Hopfensberger die Unternehmenspolitik. Mittlerweile haben auch andere Reiseversicherungen reagiert und ihre Bedingungen erweitert.

Einige Veranstalter wie die Münchner FTi-Touristik (unter anderem CA-Ferntouristik, Frosch Touristik und Club Valtur) sowie der Ferienhausvermieter Novasol haben jedoch einen anderen Weg eingeschlagen und gewähren allen Kunden automatisch ein Stornorecht bei plötzlicher Arbeitslosigkeit. FTi hat den Schutz sogar auf Urlauber ausgedehnt, die bei der Buchung arbeitslos sind, aber kurz vor der Abreise eine neue Stelle antreten.

Versicherer und Veranstalter sind davon überzeugt, mit diesem neuen Service den Nerv der Zeit zu treffen. Und sie handeln nicht zuletzt aus Eigeninteresse: Denn die Unsicherheit über die berufliche Zukunft gilt als einer der Hauptgründe dafür, daß der Urlaub immer kurzfristiger gebucht wird.

In den vergangenen Jahren hat sich die Frist zwischen Buchung und Abflug bei Fernreisen durchschnittlich auf weniger als vier Monate halbiert.

Veranstalter gehen damit ein höheres wirtschaftliches Risiko ein und geraten unter Druck, späte Nachfrage mit Preissenkungen anheizen zu müssen. Diesem Trend könnte ein Rücktrittsrecht bei unverschuldeter Arbeitslosigkeit entgegenwirken. Immerhin steigen die Stornokosten kurz vor dem Abreisetermin auf 75 Prozent des Reisepreises oder mehr an.