Flechten sind hart im Nehmen. Die seltsamen Wesen - halb Alge, halb Pilz - gedeihen in den extremsten Lebensräumen, zum Beispiel auf den kargen Lavafeldern Lanzarotes. Die Flechte jedoch, die britische Biologen jetzt im westenglischen Cornwall gefunden haben, ist ein Extremist besonderer Güte: Trapelia involuta wächst auf radioaktivem, uranhaltigem Geröll und reichert das Schwermetall in ihrem Gewebe an (Nature, Bd. 391, S. 649). Die Strahlung absorbiert die schwarzbraune Flechte mit einem für ihresgleichen ungewöhnlichen Pigment. Es ähnelt Melanin, dem Farbstoff, der auch die menschliche Haut bräunt. Nun soll Trapelia zur Dekontamination uranhaltiger Abfälle beitragen. Zwar wächst sie zu langsam, um den harten Job eigenhändig zu erledigen, doch wollen die Forscher sich ihren Absorptions-Trick für neue Techniken abschauen.