Seitdem auch private Anbieter im Netz hängen, ist Telephonieren nicht nur billiger, sondern auch schwieriger geworden. Wer die Vorteile des Wettbewerbs nutzen will, muß neben den Zugangsnummern der Telephongesellschaften - insgesamt etwa dreißig - auch ihre komplizierten Tarife im Kopf haben. Denn je nach Wochentag, Uhrzeit oder Entfernung ist mal Arcor, mal Otelo und mal wer weiß wer günstiger.

Was für private Telephonkunden schon verzwickt ist, wird bei Geschäftskunden zu einer Wissenschaft. Kein Unternehmen ist heute noch in der Lage, seine Kommunikationsprobleme ohne einen Experten zu lösen. Hier öffnet sich ein weites Feld für Telekommunikationsmanager. Wer diesen neuen Beruf wählt, muß für seinen Betrieb die optimale Telephonanlage planen, die notwendigen Systeme, Software und Dienstleistungen beschaffen, sich um Wartung und Reparatur kümmern - und dafür sorgen, daß alles möglichst auf dem neuesten Stand ist. Zum Arbeitsgebiet des Telekommunikationsmanagers gehört es ferner, die gesamten Kommunikations- und Rechnersysteme des Unternehmens zu integrieren, die einzelnen Betriebsstätten zu verbinden und ein internes Netzwerk, auch Intranet genannt, aufzubauen.

Die beruflichen Aussichten seien nicht schlecht, heißt es an der Technischen Universität Ilmenau, wo man es in zwei Semestern Aufbaustudium zum Telekommunikationsmanager bringen kann. Zugangsvoraussetzung ist ein Diplom in Ingenieur-, Natur- oder Wirtschaftswissenschaften. In Ausnahmefällen reicht auch der Nachweis "umfangreicher einschlägiger Praxiserfahrung". In jedem Fall sind 6000 Mark Studiengebühren an die Unikasse zu zahlen.

Das Geld ist möglicherweise gut angelegt. Eine Studie im Auftrag des Bonner Forschungsministeriums kommt zu dem Ergebnis, in der Telekommunikationsbranche entstünden bis zum Jahr 2000 in Deutschland 360 000 neue Jobs. Selbst die Deutsche Telekom, die in den vergangenen Jahren Zehntausende Stellen abgeschafft hat, um fit für die Börse zu werden, will nach eigenen Angaben bis zum Jahre 2005 immerhin 6000 zusätzliche Stellen einrichten. Europaweit, so die frohe Botschaft, sollen sogar 1,3 Millionen Jobs entstehen. Die gesamte Informations- und Kommunikationsbranche werde es in der Europäischen Union auf stattliche sechs Millionen Arbeitsplätze bringen. Bei derart optimistischen Prognosen darf freilich nicht vergessen werden, daß anderswo in gleichem Ausmaß Stellen verlorengehen. Und zwar nicht nur in den klassischen Industriesparten, sondern auch in den Dienstleistungsbereichen.

In der Telekommunikationsbranche hat sich die Zahl der Stellenangebote allein im vergangenen Jahr um siebzig Prozent erhöht. Gesucht werden vor allem Techniker, Ingenieure, Computerspezialisten und Verkäufer, aber auch Sekretärinnen und Juristen. Wer Interesse hat und über einen Internetanschluß verfügt, der sollte einmal die Homepages der privaten Telephongesellschaften besuchen. Eine lange Liste offener Stellen findet sich zum Beispiel bei Arcor. Und bei Otelo darf man sich auch dann bewerben, wenn man unter den Angeboten nichts Passendes findet. Die Sache werde dann kurzfristig geprüft, verspricht das Unternehmen.

Ebenfalls bei Otelo findet sich auch ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen zur Telekommunikation. Es lohnt sich, vor der Lektüre der Stellenanzeigen dort vorbeizuschauen. Denn wer die Sprache der Kommunikationsbranche nicht beherrscht, der wird Probleme haben, all die vielen neuen Berufsbezeichnungen und Tätigkeitsbeschreibungen überhaupt zu verstehen. Etwa wenn Sachbearbeiter im Fault- und Change-Management gesucht werden - oder Mitarbeiter, die die Tools zur DTVgestützten Analyse des Forecast entwickeln und implementieren.

Aber nicht nur im technischen Bereich boomt der Insiderjargon. So sucht die Arcor-Vertriebsabteilung zum Beispiel Bidmanager, die in der Presales-Phase das zentrale Projektmanagement steuern. Chancen hat, wer erstens weiß, um was es geht und wer zweitens ein Informatikstudium und sehr gute Branchenkenntnisse vorweisen kann.