Die meisten denken, die DDR sei perdu. Aber vielleicht kommt ja doch alles noch einmal ganz anders. Der Buchautor Ernst Röhl zum Beispiel, im Osten wohlbekannt, hält eine zweite Wende durchaus für denkbar. Und damit es keinen unvorbereitet trifft, hat er schon mal einen Universal-Ratgeber für das Leben in der neuen DDR herausgegeben.

Zu seinen Tips gehört auch eine Einführung in den Terminhandel. Aus gutem Grund: Der Handel mit Terminen hatte schon in der alten DDR geblüht. Man handelte Friseurtermine gegen Arzttermine oder Kosmetiktermine gegen Termine bei der Kaderleitung. Einen Trabi-Reparaturtermin konnten Gewiefte beispielsweise für vier oder fünf Zahnarzttermine haben.

Auch im Kapitalismus gibt es einen Terminhandel. Allerdings ist er weniger im Dienstleistungsbereich angesiedelt, sondern mehr in der Warenwirtschaft und im Wertpapierverkehr. Und die Preise der Termine werden in Geld berechnet.

Dabei gibt es viel Gemeinsames zwischen sozialistischen und kapitalistischen Termingeschäften. Hier wie da werden Leistungen gehandelt, die erst in Zukunft zu erbringen sind. Fest steht nur, daß sich jemand verpflichtet hat, diese Dinge zu einem festen Termin und einem festen Preis zu liefern. Zum Beispiel eine Damendauerwelle am 15. Juni für 9,65 DDR-Mark. Oder 100 Kilo weißen Pfeffer am 15. Juni zum Preis von 2140 Ringgit (Börse in Singapur).

Hier wie da ist die Sache riskant. Der Friseur kann von der Partei gerufen werden. Und der weiße Pfeffer kann vom Schimmelpilz befallen werden.

Beides ist eine Tragödie. Doch die Folgen für die Terminbesitzer sind höchst unterschiedlich. Während der Friseurtermin wertlos verfällt, steigt der Wert des Pfeffertermins erheblich: Weil der Pfeffer knapp wird, ist der Anspruch auf 100 Kilo zum Preis von 2140 Ringgit plötzlich Gold wert. Für den Besitzer dieses Termins wird die Tragödie zum Segen - der Schimmel macht ihn reich.

Eine üppige Pfefferernte indes wäre für ihn ein Verlust gewesen.