Die Bauern, jedes Schulkind weiß es, sind im Prinzip bescheidene Menschen, die sich gegen die Benachteiligung durch die Gesellschaft kaum wehren können. Gut also, daß wenigstens im Bonner Kabinett mit dem Agrarminister ein professioneller Lobbyist sitzt, dem die Interessen des Landvolks über alles gehen. Der kann auch die Peinlichkeit ins rechte Licht rücken, daß - wie vor Jahresfrist - die bäuerlichen Einkommenszuwächse einmal völlig ungewollt ins Kraut schießen. Dies sei wahrscheinlich "nur ein Zwischenhoch", wiegelte Jochen Borchert damals ab.

Tatsächlich wuchsen die Einkommen so prächtig, daß die meisten Arbeitnehmer neidisch werden müßten. Die Schweinemäster verdienten 36 Prozent mehr, die Obstbauern 23 und die Getreidebauern 11 Prozent. Glückwunsch - wenn die Gewinne wirklich am Markt gemacht würden. Doch was der Landwirtschaftsminister gern verschweigt: Je größer der Betrieb, desto mehr fließt das bäuerliche Einkommen ganz unbescheiden direkt aus öffentlichen Kassen.