Grundsätzliche Einwände gab es von Anfang an. Ein künstlerisches Maß für die Maßlosigkeit des Mordens? Eine Fassung für das Unfaßbare? Ist das denkbar? Wer sich engagierte, schwankte zwischen Ja und Nein. Dennoch gab es eine lange Geschichte der Debatten, der Kolloquien, des Streites, bitter, gehässig, selbstgerecht, voller zweideutiger Manöver - aber zivilisiert am Ende. Kein formaler Konsens, sondern eine gemeinsame Einsicht hat sich durchgesetzt: Das Für und Wider ist Teil des Projektes der Kunst gehört das letzte Wort, um "die Leere, die im Herzen eines deutschen Denkmals sein muß" (Young), auszudrücken. Die verspätete Polemik ignoriert diese Debatte und die Kunstwerke, die aus ihr hervorgingen. Da schreibt Walter Jens nach seiner Konversion zum Nein vom "Reichsopferfeld", vom "teutonischen Kolosseum".

Würde er das auch den Künstlern Richard Serra und Peter Eisenman ins Gesicht sagen? Versteht er so die Absichten von James E. Young? Alte, böse Vorwürfe liest man wieder: Ein Denkmal allein für die ermordeten Juden wiederhole die "Selektion", sei eine "Endlösung der Erinnerung". Hatte die Selektion denn etwas mit den Unterschieden unter Menschen zu tun? Bedeutete sie nicht allemal Tod? Die Endlösung als Metapher im ideologischen Handgemenge: Steht eine Rhetorik, die den Gegner dem Holocaust nahe rückt, nicht im Banne des Zivilisationsbruches? Und unwürdig ist die Servilität der vorauseilenden Ablehnung, nur weil ein Kanzlervotum vermutet wird.

Allein György Konràds Einwände sprechen eine neue Sprache. Sie zeigt mehr Weisheit und Menschlichkeit, als der deutsche Erinnerungsstreit bislang zuließ. Ihn verstört, daß im Gedenken an den Massenmord ein "Ort der Unerbittlichkeit" entstehe er sieht ein Exempel des deutschen "Schuldstolzes" - eine latente Aufforderung zu Gegenreaktionen. Solche Fragwürdigkeit bleibt sie gehört zum Denkmal selbst. Diese Einsicht sollte die Auslober bei ihrer Entscheidung begleiten. Dagegen stehen keine letzten Gründe, dagegen steht nur die Kraft der Kunst, die darstellt, was die Generationen nach 1945 in den Bann schlug: die immer wiederkehrende Ratlosigkeit, das Nicht-fertig-Werden, jene Sprachlosigkeit, die am Ende aller Erklärungen steht. Der Entwurf von Serra und Eisenman spricht davon.

Versöhnt diese Kunst, oder stellt sie bloß? Faßt sie auch nur etwas vom Unfaßbaren? Wer jetzt über die Entwürfe nicht reden, sondern das Projekt nur streichen will, wird am Ende allein die Unversöhnlichkeit des Besserwissens erreichen können.