Wolfgang Schäuble hat jetzt bald keine Lust mehr auf Koalition, heißt es. Oft hat der Kanzler seinen Erneuerungswillen gebremst, die FDP hingegen gar keine Grenzen gekannt beim Reformieren. Dazwischen immer Schäuble, der sich kümmert, daß seine Schäflein schön zusammenbleiben. Und dann das ewige Abwarten, bis mal ein anderer Job frei wird. Hin und wieder, heißt es, telephoniere er mit seinem Namensvetter aus Nordrhein-Westfalen, der auch schon lange warten muß. Das tröstet ein wenig. Aber Rat weiß Wolfgang Clement auch keinen. Eine Weile hat Schäuble ja geglaubt, sein Amt sei einfach das schönste, das ihm Bonn zu bieten habe. Vielleicht stimmt das auch.

Vorsorglich läßt der Fraktionschef dementieren, daß er bald keine Lust mehr habe auf Koalition, Kanzler und die FDP.

Manchmal fragt man sich, ob die Liberalen nicht ein wenig konstruktiver koalieren könnten. Doch für Solidarzuschläge jeder Art ist die FDP in der Regel nur schwer zu begeistern. Vielleicht ist gerade die Eigensucht ihr eigentlicher Koalitionsbeitrag. Wie sollte sie anders die lästigen Hürdenläufe überstehen, jetzt wieder in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, von Bayern gar nicht zu reden. Immerzu muß sich die FDP etwas Neues einfallen lassen: Hier ein böser Vorschlag, da eine giftige Forderung, nur das bringt Leben in die Bude. Die Koalition profitiert davon, auch wenn ihr das oft schwerfällt. Manchem in der Union verdirbt es die Laune. Aber für die FDP kann es lebenserhaltend sein. Was oberflächlichen Beobachtern wie Egoismus vorkommt, ist womöglich nichts anderes als eine Art liberaler Pflegeversicherung.

Ein paar Beitragssenkungsbonbons werden sich doch wohl abzweigen lassen, die die FDP dann vom Koalitionsumzug unters närrische Volk schmeißen darf? Statt dessen behauptet CDU-General Hintze, "die FDP hüpft wieder auf eine Schimäre" und müsse "ab und zu gesagt kriegen, daß sie die Kirche im Dorf läßt". Müssen Liberale auf solche Invektiven antworten? Sollen die Strategen aus dem Adenauer-Haus doch statt des Lagerwahlkampfes eine Gelbe-Socken-Kampagne anleiern und sehen, was ihnen das einbringt. "Mensch, Hintze!" schallt es aus dem Thomas-Dehler-Haus. Jetzt heißt es doch zusammenhalten, gegen die Sozis, die Wähler, die Arbeitslosen, die Lauschangriffs-Hysteriker und all die anderen Probleme. Was heißt hier keine Lust? Keine Lust ist auch eine Lust - die am Untergang.