Wenn Hochwasser und stürmischer Westwind die Brandung über die Steinkante schlagen lassen, treibt Reiner Mommsen, Tades Vater, seine Schafe auf die Warft. In den kleinen, sonst trockenen Prielen steigt das Wasser schnell höher und verbindet sich zu einer einzigen Wasserfläche, bis die Wellen die Warftdeiche erreichen. Die Knudts- und die Schulwarft sind dann nur als zwei winzige Hügel im Meer zu erkennen.

Bevor schließlich in den sechziger und siebziger Jahren die beiden Warften umdeicht wurden, konnte Land unter lebensbedrohlich sein. Bei der großen Halligflut von 1825 starben zehn Menschen auf Gröde, 74 auf allen Halligen zusammen. Auf dem kleinen Kirchfriedhof riß die tosende See die Särge aus den Gräbern und die Gebeine aus den Särgen. Seitdem ist auf den zehn nordfriesischen Halligen zwar niemand mehr bei starker Sturmflut ums Leben gekommen. Doch hält die Gröder Schulchronik einige dramatische Augenblicke fest. Wie das schwere Unwetter vom 18. Oktober 1936, das die Wassermassen über die Warftkrone trieb: "Plötzlich hörte man ein gewaltiges Getöse, und nun stürzte das Wasser in den Kellerraum, Gläser, Krüge, Teller, Eingemachtes und Flaschen mit sich reißend." Schon neun Tage später geht es wieder los, ein Orkan zieht über Gröde. "Ein gewaltiges Bild, wie so die Kirchwarft, die Baracke und die Knudtswarft wie in kochendem Wasser zu schwimmen schienen."

Schlimmer noch war die große Flut 1962. Auf Gröde zerstörte sie drei Hallighäuser.

Das Haus des alten Rickertsen, ein wenig höher als die übrigen Gebäude gelegen, ist das älteste auf der Hallig. "Anno Domini 1761", steht auf einer Marmortafel, die neben der Südertür eingelassen wurde. Ein typisches Hallighaus: niedrige Decken, an den Wänden des "Pesels", der guten Stube, blauweiße Kacheln mit biblischen Motiven. Ein Andenken an die Zeit, als viele Halligmänner als Matrosen auf Handelsschiffen oder als Kommandeure auf Walfängern anheuerten und so zu bescheidenem Wohlstand gelangten.

An der Wand zur Küche steht noch der alte gußeiserne Ofen, der "Beileger".

Bis in die sechziger Jahre heizte man noch mit "Ditten", selbstgefertigten Platten aus Kuhdung. Beim Verbrennen sollen sie nicht gestunken haben. Erst 1976 wurde Gröde an ein Stromnetz angeschlossen.

Heute verdienen sich die Männer auf Gröde den meisten Teil ihres Geldes beim Amt für Land- und Wasserwirtschaft in Husum. Das ganze Jahr über sind sie mit Ausbesserungsarbeiten an der Steinkante und an den Deichen beschäftigt. Das ist Knochenarbeit. Etwas Geld bringen auch die Touristen, die auf der Hallig Urlaub machen.