Hannover

Nach einschlägigen Berechnungen fehlen den deutschen Hochschulen fünf bis sieben Milliarden Mark. Woher sollen die Mittel für die Behebung der dramatischen Krise kommen? Schon vor der Wiedervereinigung war die Zahl der Studierenden, die an einer westdeutschen Universität auf einen Professor entfiel, von 21 auf über 40 Studenten angestiegen. Inzwischen ist die Situation noch schwieriger geworden.

Der weiter abnehmende Anteil der Mittel für die Bildung an den staatlichen Gesamtausgaben geht vornehmlich zu Lasten der ohnehin gebeutelten Hochschulen. Dennoch bestehen konkrete Möglichkeiten einer Verbesserung der prekären Lage. Eine Erhöhung der Mittel zugunsten der Hochschulen könnte durch Umschichtung innerhalb des Bildungsetats erfolgen.

Die allgemeinbildenden Schulen sollten auf ein Schuljahr verzichten. Dies entspräche dem allgemeinen Wunsch nach jüngeren Schulabgängern und setzte gleichzeitig Mittel für die Universitäten frei. Eine Hochschulreife nach zwölf Jahren Schulbesuch ist durchaus sinnvoll, wie die ostdeutschen Bundesländer und andere europäische Länder beweisen.

Zusätzlich sollten die Finanzmittel für die bundesdeutschen Großforschungseinrichtungen zugunsten der Universitäten reduziert werden. In einem kürzlich in der Wissenschaftszeitschrift Science veröffentlichten Vergleich der internationalen naturwissenschaftlichen Forschungsleistungen landete Deutschland auf einem schlechten 14. Platz, während Großbritannien hinter den USA Platz zwei belegte. Der englische Autor der Studie führte das bessere Abschneiden der britischen Wissenschaft darauf zurück, daß den dortigen Universitäten nicht wie in Deutschland wichtiges Potential durch Großforschungseinrichtungen entzogen wird.

Wenn es darum geht, genügend Ausbildungsplätze für Jugendliche zur Verfügung zu stellen, halten sich große deutsche Unternehmen oft genug zurück. Den Hochschulen, die diese jungen Menschen aufnehmen und sie trotz der Überlastung zu einem Studienabschluß führen, wird jedoch gerade von Vertretern der Wirtschaft vorgehalten, die Absolventen seien für ihre Bedürfnisse nicht praxisnah ausgebildet.

Wenn Banken, Handel und Industrie wirklich an einem besseren Bildungssystem interessiert sind, sollten sie, wie das in anderen Ländern immer intensiver geschieht, die Universitäten über Spenden und gemeinnützige Stiftungen unterstützen. Es sollte den Vorständen problemlos gelingen, ihre Anteilseigner von einer solchen Notwendigkeit zu überzeugen, denn auch Aktienbesitzer haben Kinder und Enkelkinder. Sie hätten sicherlich Verständnis für solche Investitionen. Auch sie könnten für Anteilseigner den Shareholder value mehren. Vom Engagement möglichst vieler Unternehmer könnte die deutsche Universität beim Übergang von einer behördlichen Einrichtung zu einer hoffentlich erfolgsorientierteren Institution nur profitieren. Auch für das Verständnis zwischen Wirtschaft und Hochschule wäre unternehmerisches Mäzenatentum von Vorteil.