Kann denn Liebe Sünde sein? An der Börse schon. Kaum tickerten die Sexvorwürfe gegen Bill Clinton über die Nachrichtenagenturen, fielen die Kurse der festverzinslichen Anleihen. Wie Aktienkurse sind auch die Börsenpreise dieser Papiere Spiegelbild der öffentlichen Meinung. Politische Unsicherheiten lassen die Händler am Rentenmarkt, an dem die Anleihen gehandelt werden, genauso zusammenzucken wie Spekulationen über die künftige Preisentwicklung oder neue Schreckensmeldungen vom Arbeitsmarkt.

Viele Anleger lassen deshalb die Finger von börsengehandelten Wertpapieren.

Sie häufen ihr Angespartes lieber auf mickrig verzinsten Sparbüchern oder tragen es zu den spezialisierten Investmentfonds (siehe Tabelle unten). Ein teurer Entschluß. Wegen ihrer Größe können die Fonds nur Papiere kaufen, die in Milliardenauflage an die Börsen gebracht wurden, zum Beispiel Bundesanleihen. Zinsschnäppchen etwa, kleine, aber feine Pfandbriefe, lassen sie eher links liegen. Wer selber anlegt, bekommt zur Belohnung nicht nur etwas mehr Zinsen, sondern spart auch noch die Gehälter der Fondsmanager und die sonstigen Verwaltungskosten der Fonds.

Ein eigenes Anleihendepot zu hegen und zu pflegen erfordert auch gar nicht so viel Zeit, kaum mehr als die tägliche Lektüre der Klatschmeldungen. Lohnt sich dennoch nicht, werden viele einwenden: Auf lange Sicht werfen Aktien aller Erfahrung nach mehr ab als die meisten Anleihen. Stimmt, erwidert Michael Ramon Klawitter, Rentenmarktexperte der WestLB, aber die Anleihen könne man, im Gegensatz zu den Aktien, besser auf die eigenen Bedürfnisse abstimmen. Auf den ersten Blick gibt es dafür eine schier unendliche Auswahl von Papieren mit ganz unterschiedlichen Laufzeiten, Risiken und Renditen. Die Auswahl fällt dennoch nicht schwer, wenn der Anleger einige einfache Faustregeln beachtet.

"Wer Anleihen kauft, sollte sich zuerst klar sein, wann er das angelegte Geld wieder braucht", empfehlen die Fachleute. Beispiel: Will sich jemand in fünf Jahren ein Haus kaufen, sollte er keine Papiere erwerben, die zehn Jahre oder länger laufen. Die Papiere kann man zwar vorzeitig an der Börse abstoßen, das kostet häufig aber zuviel Spesen. Zudem besteht das Risiko, daß man die Anleihen nur mit Verlust los wird, falls die Kurse gerade gefallen sind.

Wer die Papiere dagegen bis zur Fälligkeit halte, brauche sich um Börsenturbulenzen nicht zu kümmern, meint Klawitter. Dann erhält der Sparer seinen Einsatz voll zurück. Unschlüssigen, die nicht abschätzen können, wann sie wieviel Geld brauchen, rät Jan Holthusen, Anleihenexperte der DG Bank, sich vorsichtshalber nur kurzfristige Papiere ins Depot zu legen.

Garantiert sind Zinszahlungen und Anleihentilgung nur bei Schuldnern, die über alle Zweifel erhaben sind, etwa Bund, Bahn oder Post. Bei anderen Schuldnern sind böse Überraschungen möglich. Wer sich etwa vor Jahren Anleihen des niederländischen Flugzeugbauers Fokker zugelegt hat, schaut seit dessen Pleite in die Röhre. Dennoch, riskante Anleihen werden gerne gekauft.