Skifahren auf griechische Art ist ohnehin mit dem alpinen Pendant schwerlich zu vergleichen, obwohl es für rote Ohren und blaue Nasen allemal reicht. Zwar erscheint das Können der fünf Athleten des hellenischen Nationalteams, das gerade für Nagano trainiert, an dieser Stätte meisterlich; bei den Olympischen Spielen dürften sie freilich nicht mehr ganz so deutlich herausragen.

Ansonsten gibt es weit mehr Zuschauer als Aktive. Über die Hälfte der Bergbesucher denkt nicht im Traum daran, sich auf schmale Latten zu stellen. Statt dessen führt man edlen Pelz und feinsten Stoff, Krawatte inklusive, spazieren. Das Spektakel, das sich den Schaulustigen bietet, ist in der Tat höchst amüsant. Vereinzelten Hochgebirgserprobten mit "Gstaad- und Zermatterfahrung", wie einer stolz betont, stehen zuhauf Ski-Eleven gegenüber, die mangelnde Fertigkeit mit Forschheit kompensieren. Demzufolge ist nach mancher Schußfahrt ein Sammelsurium von Mützen, Handschuhen, Skiern und Stöcken zu entwirren.

Es klacken die Kameras, surren die Camcorder, piepsen die Mobiltelephone. "Wir ziehen jetzt die erste Skigeneration heran. Der Weg ist noch weit", meint Pistenwart Iannis, der im Sommer Touristen im Taxi herumkutschiert. Und Skilehrer Kristos, die Rothmans im Mundwinkel, die Nase rot gebrannt, verdingt sich außerhalb der Saison als Schafhirte. Beide stecken in knallgelben Skianzügen, knallgelben Schuhen und stehen auf knallgelben Skiern. Damit ist auch die Frage nach der heurigen Modefarbe im griechischen Pistenzirkus hinreichend beantwortet.

EU-Steuerzahler finanzieren den Skispaß der Athener

Das Parnaß-Skizentrum zählt mehr als ein Dutzend Bahnen und Lifte, aber nur selten sind alle in Betrieb. Der Schnee, der hier fällt, ist zwar pudrig fein, doch nur selten reichlich vorhanden. "Wir brauchen Schnee", fleht Stationschef Athanasios den blauen Himmel an. Um gleich darauf von den Hängen des mit 2457 Metern höchsten Gipfels des Massivs zu schwärmen, den er mit Bahnen und Pisten erschließen will - kräftig subventioniert aus Brüsseler EU-Kassen. Letzteres erzählt er keineswegs verschämt, sondern voller Stolz. Die Frage, ob hier deutsche, englische oder französische Steuergelder der griechischen Hauptstadtschickeria ihr jüngstes Steckenpferd finanzieren, bereitet ihm zweifellos keine schlaflosen Nächte. Hingegen bedauert er, daß der akute Wassermangel den Einsatz jeglicher Kunstschnee-Artillerie unmöglich macht.

Droben auf den Hängen wanken indes die abgekämpften Skiheroen Richtung Bergrestaurant, das in punkto Charme von mancher Autobahnraststätte locker übertroffen wird. Im betonstarrenden "Eßkomplex" wird offenkundig, daß Griechenlands skifahrerische Erschließung ein Staatsprojekt ist. Über eine Privatisierung der Anlagen wird zwar heiß diskutiert - allerdings bereits seit vielen Jahren.

Nachmittags läßt der ohnehin spärliche Andrang auf den Pisten abermals deutlich nach. Die Skifahrer- und Skizuschauergemeinde braust hinunter nach Aráchova, wo man sich ausgiebig Speis und Trank oder umgehend der Siesta anheimgibt.