Kann die Erinnerung so trügen? War es nicht auch zu härtesten kommunistischen Zeiten ein plüschiger Hort glorreicher Vergangenheit? Wie dem auch war, nach vierjähriger gründlicher Renovierung ist Bukarests Hotellegende, das "Athenée Palace" nun das einzige Fünf-Sterne-Haus der rumänischen Hauptstadt - und ein Hilton: Mahagonimöbel, King-size-Betten, Klimaanlage, sündteure Minibar, Telephon und Farbfernseher, Executive Floor, Tagungsbereich, das Personal jung, freundlich und Englisch sprechend.

Auf modernstem internationalen Standard herausgeputzt ist das Haus, in und vor dem sich Geschichte abspielte. Hoheiten und Prominente stiegen ab, Journalisten und Spione, die Wände hatten Ohren in dem Hotel, das auf dem Balkan das luxuriöseste war. Das zentral gelegene Gebäude (1-3 Episcopiei, Sector 1, Tel. 0040-1/315 12 12, Fax 315 21 21) unweit der Musikhalle Atheneum, des Königspalastes und des Platzes der Revolution wurde auch Ende Dezember 1989 in Mitleidenschaft gezogen, als das Volk sich gegen seinen Diktator erhob.

Die heutige schlichte Fassade entspricht Veränderungen aus den späten dreißiger Jahren. Das "Athenée Palace" wurde ursprünglich, wie die meisten Prunkbauten Bukarests, von einem französischen Architekten entworfen und 1914 eröffnet. Als Reminiszenzen erhalten blieben lediglich sechzehn Säulen im Foyer sowie der Ballsaal "Le Diplomate", wo man sich in würdig schnörkeligem Rahmen treffen kann. 272 Zimmer, 11 Konferenzräume, eine gemütliche Bar, ein wintergartenluftiges Restaurant, genannt "La Pergola", nehmen bereits Gäste auf. Die Fitneß- und Pooleinrichtungen werden diese Woche fertig. Offizielle Eröffnung der für sechzig Millionen Dollar wiederauferstandenen Hotellegende soll im Frühjahr sein. Wer nicht gerade zum Sondertarif bucht, zahlt von 350 Dollar an pro Zimmer. Preise, die für Bukarest nicht außergewöhnlich sind. Es mangelt an guten Zimmern.

Dafür hat die Stadt ein monumentales Konferenzzentrum, im heutigen Palast des Parlaments, dem zweitgrößten Gebäude der Welt, das einst Ceausescu bauen ließ. Im Jahr 1994 ist das Parlament eingezogen. Seitdem werden auch 45 000 Quadratmeter Konferenzfläche vermietet - in außergewöhnlichem Ambiente. Das pharaonische Gebäude strotzt von Marmor, goldenem Stuck, verzierten Holzverkleidungen, gewaltigen tonnenschweren Leuchtern, Intarsienböden Prunk wie aus der Vergangenheit. Schon haben große internationale Treffen stattgefunden. An einem aber mangelt es dem Protzpalast - an ebenso prächtigen Toiletten. Auskunft: Palatul Parlamentului, Calea 13 Septembrie 1, Bukarest, Tel. 0040-1/40 13 11 36 14. put

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