Die Web-Site der Tonic Corporation ist ein Geheimtip zumindest für Menschen, die sich billig mit einer eigenen Internet-Adresse schmükken wollen. Denn dort kann man sich für fünfzig Dollar sogar bekannte Markennamen wie Microsoft, Coca-Cola oder Siemens reservieren lassen. Nachteil: Die Adressen enden mit dem ungewöhnlichen Kürzel ".to", dem Netzcode für Tonga, eine Inselnation im Südpazifik. Trotzdem schickten bereits 4200 Netzbürger einen Scheck nach Tonga - was dem armen Inselstaat über 200 000 Dollar einbrachte.

Diese Geschichte ist der jüngste Beleg dafür, daß die Vergabe von Internet-Adressen, Domain Names genannt, zunehmend zum Geschäft wird nachdem sie lange Jahre kostenlos registriert worden sind.

Die Adressen von Markenfirmen werden für teures Geld gehandelt

Kaum ein Internet-Thema wird derzeit so heiß diskutiert wie die Domain-Namen. Jetzt kocht die Debatte in den USA wieder richtig hoch, nachdem die amerikanische Regierung Vorschläge veröffentlicht hat, wie der Adressenmarkt künftig weltweit organisiert werden soll.

Zum technischen Hintergrund: Jeder Computer im Internet hat eine lange Adreßziffer - also eine Art Hausnummer, unter der er eindeutig erreichbar ist. Der Rechner der ZEIT etwa, auf dem sich die Homepage befindet, hört auf die Nummer 194.231.21.11.

Weil sich diese Monstren niemand merken kann, ist es im Netz allgemein üblich, sie in leicht zu behaltende Namen zu übersetzen, im Falle der ZEIT etwa www.zeit.de. In diesem Domain Name System, kurz DNS genannt, geht es höchst hierarchisch zu. An der Spitze stehen die sogenannten Top Level Domains - jene Kürzel, die am Ende von Internet-Adressen stehen. Jedes Land hat sein eigenes, Deutschland etwa ".de" und die Schweiz ".ch".

Eingängige Namen sind im unübersichtlichen Cyberspace mindestens ebenso wichtig wie die Qualität des Angebots. Adressen wie www.internet.com werden auf dem freien Markt inzwischen für mehrere zehntausend Dollar gehandelt. Clevere Menschen haben deshalb solche gewinnträchtigen Buchstabenkombinationen schon im Dutzend angemeldet, um sie dann teuer weiterzuverkaufen. Und so müssen die Hersteller von Markenprodukten des öfteren feststellen, daß ihre Firmennamen im Netz bereits vergeben sind.