Gates: Das stimmt doch gar nicht. Aus Umfragen rund um den Globus geht zu meiner eigenen Überraschung hervor, daß Microsoft die am meisten bewunderte Firma der Welt ist.

zeit: Nennen wir es Haßliebe. Gerade unter Studenten gehört es zum guten Ton, sich im Internet über Microsoft und Bill Gates lustig zu machen.

Gates: Im Internet gibt es mehr Seiten, die Microsoft in den Himmel loben. Die Leute machen sich halt Gedanken über uns. Wenn man sie fragt, wie groß Microsoft ist, überschätzen uns die meisten bei weitem - wir werfen eben einen riesigen Schatten. 25 000 Mitarbeiter, das ist eher mittelgroß. Aber mit unseren Produkten verändern wir das Leben der Menschen. Der Erfolg der Personalcomputer wäre ohne Windows ebenso undenkbar wie das gigantische Wachstum der Softwareindustrie. Wir stehen im Zentrum einer aufregenden Entwicklung, die aber auch vielen angst macht.

zeit: Wie bekommen Sie genügend Nachschub an talentierten Programmierern?

Gates: Jedes Jahr besuchen wir dreißig Universitäten. Dort kennen wir die Professoren und die besten Studenten. Und wen wir haben wollen, den bringen wir nach Redmond, damit er sieht, was ihn erwartet. Microsoft ist attraktiv, weil kluge Menschen gerne mit klugen Menschen arbeiten. Wenn man Programme schreiben kann, dann möchte man auch, daß die etwas verändern in der Welt, daß Millionen Exemplare davon verkauft werden. Da gibt es wenig Alternativen zu uns. Und keine Firma hat je ihre Mitarbeiter in einem solchen Maß am Wachstum teilhaben lassen wie Microsoft.

zeit: Sie selbst sind ein Studienabbrecher. Haben solche Leute heute bei Ihnen eine Chance?

Gates: Wir haben da keine festen Regeln. Aber wenn jemand seine Fähigkeiten unter Beweis gestellt hat und hervorragend programmieren kann, wird er für uns interessant.