Lange Zeit wirkte das organisierte Verbrechen ein wenig rückständig mit den autoritär geführten Familienbetrieben, den archaischen Ritualen. Allein die Unternehmenskultur! Persönlich haftende Gesellschafter, die im Fall des Mißerfolgs Körperstrafen erdulden müssen. Personalentscheidungen, die mit Schußwaffen getroffen werden. Der Tod als einzig zulässige Form des Ausscheidens aus dem Unternehmen.

Absurd - so jedenfalls stellte man sich die Ehrenwerte Gesellschaft bislang vor, darin bestärkt von Populärkriminologen wie Dieter Wedel oder Sergio Leone.

Aber wie es scheint, hat sich die Branche gewandelt. Ein Indiz dafür ist das Journal of Interpersonal Violence, das sogar im Internet zu finden ist.

Wer steckt hinter dieser "Zeitschrift für interpersonelle Gewalt"? Ist es die Mafia? Verhandelt sie hier ihre Methodenprobleme?

Das Journal erscheint in den USA, deren Bewohner für ihr sachliches Verhältnis zu interpersoneller Gewalt ja bekannt sind. Sitz des Herausgebers ist Washington, bis vor kurzem die Stadt mit der höchsten Mordquote des Landes.

Vom Niveau her kann die Zeitschrift, jedenfalls dem ersten Anschein nach, mit wissenschaftlichen Publikationen konkurrieren. Das Journal untersucht "theoretische Verbindungen zwischen allen Typen interpersoneller Gewalt und erforscht Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser Arten von Verbrechen".

Solche systematisierenden Artikel wenden sich wohl eher ans Management. Doch auch der einfache Mann auf der Straße, der Dealer oder Schutzgeldeintreiber, sollte das Heft mit Gewinn lesen können. Ganz anwendungsbezogen: die Rubrik "Neues aus der Praxis", die "Forschungsresultate zusammenfaßt und ihre praktische Umsetzung erörtert".