Nach vier Jahren war es endlich soweit: John Gotti diktierte seine Mordbefehle - in die Wanze, die im Raum versteckt war. Der Mafia-Boß aus den USA wähnte sich unter Gleichgesinnten und redete Klartext. Das Polizeitonband überführte ihn später.

Solche Fahndungserfolge soll der große Lauschangriff bald auch der deutschen Polizei bescheren. Das Gerät dazu liegt bereit und darf in einigen Bundesländern, zum Beispiel in Sachsen oder Bayern, schon eingesetzt werden allerdings nicht, um Kriminelle dingfest zu machen, sondern ausschließlich, um Verbrechen abzuwenden. Während die Ermittlungsbehörden jede Auskunft zur Technik verweigern, bietet der Fachhandel Tausende verschiedener Apparate an, von einfachen Wanzen für 200 Mark bis zur Supertechnik mit fünfstelligem Preis. Lauschen ist eine Geldfrage.

Videokameras in Brillen und Krawattennadeln, Tonaufnahmegeräte im Füller, Richtmikrophone im Regenschirm - Spionläden als Requisitenkammer für James Bond. Ihre Besitzer hoffen auf den Boom: "Die Leute werden sich vor dem Lauschangriff schützen wollen", prophezeit Hermann Buchner vom Münchner Laden Spy World. Moderne Wanzen sind nicht größer als ein Pfennigstück und sehen so nichtssagend aus wie normale elektronische Bauteile. In Telephon, Computer oder Steckdose installiert, fallen sie selbst Technikern nicht auf. Außerdem können sie dort Strom zapfen und ohne Batterie jahrelang jedes Wort kilometerweit übertragen. Billige Apparate, auf die eifersüchtige Ehepartner oder neugierige Vermieter zurückgreifen, funken auf Frequenzen knapp neben dem UKW-Band. Mit einfachen Detektoren lassen sie sich zwar ohne Schwierigkeiten aufspüren; wer aber keinen Verdacht hegt, wird sie nicht bemerken. Hochwertige Modelle wiederum senden digital und sind höchstens mit 100 000 Mark teuren, sogenannten Spektrum-Analyzern auszumachen, die das gesamte Funkgeschehen graphisch darstellen. Besonders perfide Wanzen nehmen Gespräche erst auf und schießen danach die Daten binnen weniger Sekunden in den Äther. Nur in diesen Intervallen sprechen Analyzer auf sie an.

Wer sich schützen will, kauft am besten einen Rauschgenerator. Der nervt alle

"Wenn wir eine Grundreinigung machen, finden wir alles", behauptet Michael Radtke, der die Industrie in Sicherheitsfragen berät und im westfälischen Löhne einen Versandhandel für die einschlägige Technik betreibt. Garantiert wanzenfrei sind Räume aber meist nicht lange. Schon die Putzfrau könnte abends ein neues Abhörgerät einschmuggeln. Radtke rät seinen Kunden daher, zu kontrollieren, welche Personen und Geräte in die Räume hineinkommen, und Steck- und Telephondosen mit einem speziellen Lack zu versiegeln. Dann sei es leicht zu erkennen, ob sich jemand daran zu schaffen gemacht hat.

Selbst frisch durchsuchte Räume garantieren nicht immer Diskretion. Vom Nebenzimmer aus lassen sich Gespräche mit elektronischen Stethoskopen an Wand, Tür oder Belüftungsschacht belauschen. Durch geschlossene Fenster schaffen Richtmikrophone nur mäßige Tonqualität; bohrt ein Lauscher indes ein kleines Loch in den Fensterrahmen und steckt ein Mikrophon hinein, bleibt ihm kein Wort verborgen. Spezielle Lasergeräte können Schallwellen noch aus Kilometern Entfernung auf den Fensterscheiben ablesen. Doch ist diese Technik extrem aufwendig und nur vom Fachmann zu bedienen.

Den besten Schutz gegen unerwünschte Mithörer bieten akustisch abgeschirmte Räume, die keine Verstecke für Wanzen haben. Die kosten allerdings einiges: "100 000 Mark sind da gar nichts", meint Radtke. Doch schon das Anschalten eines Radios stopft Horchern die Lauscher - es sei denn, sie fieseln mit elektronischen Filtern das Gespräch aus dem Geräuschbrei. Wer sich verläßlich schützen will, legt sich einen Rauschgenerator zu. Der erschwert jedoch nicht nur Abhörern das Leben: Das unausgesetzte Rauschen geht jedem nach kurzer Zeit auf die Nerven.